Ach du lieber Atlantik – Transat West-Ost

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Könnte ich mir vorstellen den Atlantik noch einmal zu überqueren? Ähm… hm… eher weniger.

Am Donnerstag, 8. Juni 2017, verlassen wir Bermuda. Leider konnten wir kein Schiff ausmachen, welches am selben Tag los segeln will. Insgeheim frage ich mich, ob es dann wirklich ein gutes Wetterfenster ist. Aber letztendlich muss man auf dem Atlantik das Wetter nehmen wie es kommt und daher spielt es eigentlich doch auch nicht so eine grosse Rolle. Also los geht es. Und siehe da, nach einigen Meilen haben wir doch noch zwei weitere Segelboote auf dem AIS. Nach Kontaktaufnahme via Funk erfahren wir, wen wunderts, dass auch sie in die Azoren fahren. Beruhigend zu wissen, dass man nicht ganz alleine unterwegs ist.

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Wir verlassen St. Georges auf Bermuda

In den ersten Tage läuft alles ganz rund. Der Wind bläst achterlich mit  12-20 Knoten und wir kommen mit Gross und Genua gut voran. Ab Samstag, 10. Juni 2017, beginnt der Wind etwas abzunehmen und wir freuen uns den Gennaker (oder genauer den asymmetrischer Spinnaker) zu setzen. Habe ich schon erwähnt wie dankbar ich bin, dass ich den alten Spi, natürlich unabsichtlich, explodieren liess ;-). Während es früher immer extrem mühsam war den Spi zu setzten und vorwiegend bei zu viel Wind zu bergen, so bereitet mir jetzt das Setzen und Bergen des Gennakers mit der dazugekauften Socke richtig viel Spass. Bernhard scheint von meiner  Begeisterung noch etwas verwirrt zu sein, aber er nimmt meine neu gewonnene Motivation dankbar an und wir machen das Spiel mit Setzen und Bergen oft mehrere Male am Tag.

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Unser Gennaker nennen wir liebevoll „IKEA-Tüte“

Ansonsten sind die Tage eigentlich fast etwas zu eintönig für meinen Geschmack. Wir hören Hörbücher oder Podcasts, schauen Filme, gehen unseren Gedanken nach, wechseln ab und zu wieder die Segel und schlafen viel. In einer Frühschicht kriege ich zur Abwechslung endlich einmal wieder Besuch von einer Delphinschule. Es ist schlicht ein Privileg diese Tiere, manchmal sogar über eine Stunde, beobachten zu dürfen. Man kriegt einfach nicht genug davon. Bernhard hingegen hat einen Draht zu Schildkröten. Er entdeckt sie in der Regel viel früher als ich und er sieht sie sogar inmitten des Atlantiks. Sie streckt ihren Kopf aus dem Wasser um etwas Luft zu schnappen und anschliessend taucht sie gleich wieder ab. Leider sind diese Begegnungen erheblich kürzer als mit den Delphinen, da noch nie eine Schildkröte versucht hat in unserer Bugwelle zu schwimmen. Eigentlich schade.

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Delphine sind immer eine erwünschte Abwechslung

Ansonsten sehen wir hauptsächlich Quallen. Ich nenne sie wortmalerisch die Diademe des Atlantiks. Warum? Ihr weiss-rosa-violetter Körper ähnelt einem kleinen Diadem, welches an der Wasseroberfläche schwimmt. Meine Namensgebung ist allerding etwas zu lieblich, wenn man anschliessend erfährt, dass es sich hierbei um hochgiftige Portugiesische Galeeren handelte. Die Berührung der langen Tentakel soll auch bei Menschen sehr starke Schmerzen auslösen. Als ich einmal in der Nacht unseren Schleppgenerator aus dem Wasser ziehe und mich frage, was ich da nun für einen Faden in der Hand halte, realisiere ich, dass es sich um ein Tentakel handelte. Eine Qualle ist in den Propeller geraten. Sie war allerding tot und brannte überhaupt nicht mehr. Es fühlte sich eher etwas schleimig und glitschig an.

Ab Mittwoch,  14. Juni 2017, sind die Tage der Leichtwinde vorbei und der Wind beginnt an Stärke zuzulegen. Der Gennaker wird nun definitiv verstaut und Gross und Genua reichen aus, uns mit gutem Speed voranzubringen. Auf  Samstag, 17. Juni 2017, kündigt sich eine Kaltfront an. Mitten in der Nacht wechselt der Wind von 17 Knoten aus Südwest in nur 10min auf 27 Knoten Nordost. Da muss man mit dem Gross und insbesondere mit dem Bullenstander (Sicherung des Baumes beim Vorwindsegeln) ganz schön bereit sein, um keine ungewollte Halse und damit allfällige Schäden am Rigg zu produzieren. Nun diese Prüfung haben wir bestanden. Ab jetzt heisst es am Wind segeln, was, wie in einem vorderen Blog Eintrag erwähnt, viel Schräglage und ins Cockpit spritzende Wellen bedeutet. Zudem regnet es nach dem Windwechsel wie aus Kübeln und die Temperatur fällt deutlich.

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Ab diesem Zeitpunkt war das Cockpit nicht mehr so gemütlich….

Und so beginnen die kräftezehrenden Tage auf See. Ernst bekommt leider die Schräglage generell überhaupt nicht und er muss  die restlichen Tage in seiner Kabine ausharren. Währenddessen bestreiten Bernhard und ich den Kampf mit der Krängung, den Wellen und dem in der Stärke stark variierenden Wind zu zweit. Es ist immer eine Gradwanderung mit der Segeleinstellung. Viel Wind möchte man mit gerefften (verkleinerten) Segeln begegnen, aber trotzdem will man so viel Segel wie möglich setzen, um schneller ans Ziel zu kommen. Ständig müssen wir ein- und ausreffen und ich bemerke, fast etwas verwundert, dass ich nun wirklich vom ewigen Kurbeln Muskelkater kriege. Das hatte ich noch nie auf unserer Reise!

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Da unsere Kabine im Vorschiff bei diesen Bedingungen nicht mehr bewohnbar war, mussten wir uns zum Schlafen in den „Gepäck- und Stauraum“ zurückziehen.

Wir sind müde, erschöpft und der Körper schmerzt. Kochen mit dieser Schräglage ist kaum mehr möglich und die Ernährung reduziert sich auf Riegel und Zwieback. Über den Toilettengang will ich hier lieber gar nicht erst berichten. Es ist eine Tortur. Mir fällt ein Zitat von der Weltumseglerin Beate Kammler ein, welche nach einem schlechten Wetter auf hoher See notiert: „Ich bin mir endgültig darüber klar geworden, dass ich für ein faules und bequemes Leben geschaffen bin“. Wie recht sie doch hat. Und des Öfteren stelle ich mir die Frage, warum man sich dies eigentlich freiwillig antut. Aber ich bin überzeugt ein Abenteuer braucht genau solche Tiefpunkte. Und mit der heutigen Technik fühlt man sich auch irgendwo im Nirgendwo auf dem Atlantik sicher. Wir haben ja unser EPIRB (Notalarmsender) und müssten dann halt zur Not einfach in unsere für acht Personen berechnete Rettungsinsel (Luxus ;-)) hüpfen. Na also, es geht lediglich ums Durchhalten. Und das haben wir getan.

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Wunderschöne Ankunft auf den Azoren. Die Reise hat sich doch gelohnt, oder?

Am Mittwoch, 21. Juni 2017, nach 13 Tagen und 1848 Seemeilen sind wir in Horta auf Fajal angekommen. Wir freuen uns wieder in „Europa“ zu sein, die Segel für einige Tage ruhen zu lassen und die Wanderschuhe hervor zu nehmen.

Liebe Grüsse
Marianne

 

Vorher auf den Bahamas und jetzt schon auf Bermuda – da war doch noch etwas?
In sechs Tagen sind wir von den Abaco Islands nach St. Georges auf Bermuda gesegelt. super angenehmes Leichtwindsegeln. Nach vier Nächten auf Bermuda sind wir allerdings bereits wieder in Richtung Azoren aufgebrochen.

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Ein neues Crew-Mitglied auf der Jolene! Für die Überfahrt von Nassau bis zu den Azoren wird uns Ernst unterstützen. 
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Wir erreichen Bermuda in den frühen Morgenstunden. 

 

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Ankerplatz in St. Georges. Findet ihr die Jolene?
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Während unserem Stopp auf Bermuda ist der Americas Cup in vollem Gange.
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Das schwedische Team, Artemis, bei den Vorbereitungen. Kann man diese Rennmaschine noch als Segelschiff bezeichnen?

Traumziel Exumas

Zweimal habe ich mit einem Text über die Bahamas, speziell über die Exumas, begonnen. Zweimal bin ich gescheitert. Wie kann ich so etwas schönes bloss in Worte fassen? Tja, da musste einfach wieder einmal ein Video her 🙂

Die Bilder für den Text hatte ich allerdings bereits herausgesucht, daher möchte ich sie euch nicht vorenthalten.

Turks & Caicos

Der „und zack.. Teil 2“ Eintrag wurden von der Autorin aus dem folgenden Grund gestrichen. Sie hat schlicht zu viel zu den nächsten Orten zu erzählen. Ich kann hier einfach nicht abkürzen. Sorry!
Also weiter…

Um von den BVIs zu Turks and Caicos zu gelangen dauert es ungefähr drei Nächte. Wieder einmal segeln wir einen längeren Schlag zu zweit und ich muss respektive darf feststellen, wir sind langsam ein eingespieltes Team. Das Segeln macht Spass und der Wellengang lässt sogar regelmässiges Kochen und Backen zu. So erwacht Bernhard meist mit einem verführerischen Duft von frischen Brötchen, welcher sich im ganzen Schiff verbreitet. Nachdem ich etwas insistieren musste, werden wir den ersten Halt auf Big Sand Cay machen. Eine unbewohnte Insel, welche man „eigentlich“ nur mit vorher eingeholter Erlaubnis betreten darf. Einklarieren kann man dort logischerweise auch nicht. Sowieso ist Samstag und die meisten Inseln schlagen auf die Einklarierungskosten am Wochenende noch Überstundenarbeit dazu. Warum sich also beeilen mit Einklarieren? Endlich ist Bernhard überzeugt und wir passen den Kurs an – und wir bereuen es nicht! Als wir in die Nähe der Insel kommen, beginnt das Wasser immer klarer und klarer zu werden. Wir sehen den Grund bereits bei einer Wassertiefe von 25m. Im Windschatten der Insel, an der Westküste, ist dann das Wasser nur noch lediglich 4m tief und in einem fast schon kitschigen türkis. Sind wir nun noch im Meer oder sind wir in einen Pool gefahren? Atemberaubend.

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Ankunft auf Big Sand Cay

Wir ankern, wassern unser Dinghi und machen uns auf den Weg an Land. Etwas mulmig ist mir schon zu mute, so illegal auf einer Insel. Aber weit und breit ist niemand zu sehen, also nichts wie los. Der lange und relativ breite Strand lädt zu einem Spaziergang ein. Ich finde riesige Muscheln. Darf ich die so illegal jetzt mitnehmen? Ich mache mit mir einen Kompromiss aus und packe die zwei schönsten Exemplare ein. Noch heute traure ich etwas diesen zurückgelassenen Muscheln nach. Nie wieder hatte ich nur annähernd diese Auswahl.

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Kein weiteres Schiff und kein weiterer Mensch. Wir haben nur Vögel und einen Barracuda angetroffen.

Leider wechselt das Wetter über Nacht und meine Trauminsel wird zum Ankern ungemütlich. Wir holen den Anker ein und fahren hart am Wind nach Grand Turk, der Hauptinsel von der Turks-Seite. Hier werden wir auch einklarieren. Zwischen einem Mooringfeld von lokalen Booten und der Anlegestelle der Kreuzfahrtschiffe findet Bernhard doch tatsächlich noch einen Ankerplatz für uns. Hätten wir vorher gefunkt, hätten wir auch erfahren, dass hier das Ankern grundsätzlich verboten ist. Mit grossem Nervenkitzel schauen wir im Anschluss vom Strand aus zu, wie das Kreuzfahrtschiff ablegt und unserer Jolene ziemlich nahe kommt.

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Hoffentlich hat der Captain das Rückwärtsfahren im Griff….

Es gibt aber weder eine Berührung noch löst sich der Anker und wir machen uns auf, die Gegend etwas zu erkunden. Wir spazieren über ein verlassenes Kreuzfahrschiff-Unterhaltungs-Gelände bis uns die Securitiy etwas schroff darauf hinweist, dass wir hier keinen Zutritt haben. Als wir der Strasse entlang spazieren, um das Büro zum Einklarieren ausfindig zu machen, hält ein Wagen. Neel, ursprünglich aus Indien, fragt uns, ob er uns irgendwo hin fahren könnte. Da wir zu diesem Zeitpunkt gerade schäusslich von Mücken angegriffen werden, nutzen wir die Fluchtgelegenheit und steigen ein. Nur, eigentlich wissen wir gar nicht wo wir hin wollen – wir wollten ja lediglich etwas die Gegend sehen. Neels fährt uns zu einem Supermarkt, wo ich mich mit frischen Lebensmitteln eindecken kann. Wir haben Glück. Heute ist gerade das Versorgungsschiff angekommen und es gibt viele Früchte und Gemüse im Angebot. Neels erzählt mir, dass dies nur einmal die Woche kommt und der Supermarkt teilweise sehr mager bestückt ist. Als wir ihn nach einem Internetcafe fragen nimmt uns Neel kurz entschlossen mit zu sich nach Hause. Hier gibt es weit und breit kein Restaurant, welches zu Fuss erreichbar wäre. Und der arme Kerl ist einfach zu höflich uns einen Wunsch abzuschlagen. Für Bernhard geht er extra nochmals in den Laden zurück und kauft Kaffee und mir bereitet er einen wunderbaren indischen Chai zu. Neels erzählt uns, dass er auf dem Cruising-Gelände im Diamont International arbeitet und morgen weitere Kreuzfahrtschiffe erwartet werden. Somit können wir am nächsten Tag das Gelände auch mal „in Action“ erleben. Wir besuchen Neels im Diamonds International und trinken über der Diamanten Vitrine eine lokales Bier, welches uns vom Hause offeriert wird. Zu einem Diamantenkauf kommt es dann leider aber nicht.

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Das verlassene Gelände für die Gäste der Kreuzfahrschiffe
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Und so sieht es aus wenn Gäste da sind 🙂

Wir verabschieden uns von Neel und machen uns am nächsten Tag auf den Weg nach Caicos. Auf einem Blog habe ich gelesen, dass das Kreuzen der Caicos Bank ein Highlight war. Untiefes klares Wasser über Meilen, wo man den Rochen zusehen kann, wie sie unter dem Boot durchschwimmen. Das will ich auch. Hier beginnt unsere „Knäpplerei“ über die Untiefen der Karibik. Wir segeln also ungefähr 20Meilen über die Bank, welche zwischen 2.5 – 5m tief ist. Bernhard hinten am Steuer und ich vorne im Ausguck. Leider sind die Bedingungen nicht ideal. Wir haben Wellengang und viele Wolken am Himmel, welche die Sicht einschränken. Trotzdem klappt die Kreuzung einwandfrei. So eine Sache, wie es oft beschrieben wird, ist diese Bank nun auch nicht und es gibt uns Mut für die Bahamas. Wir ankern im Schutz einer unbewohnten Insel neben – wer glaubts – einem schweizer Schiff. Leider fallen wir nach der Ankunft gleich in die Kojen. So erledigt sind wir von diesem „untiefen“ Tag. Am nächsten Morgen haben wir dann aber trotzdem noch die Gelegenheit unsere Nachbarn, die Seaborn, kennenzulernen. Nach einem netten Gespräch und ein paar Tipps für die Bahamas trennen sich unsere Wege leider wieder. Weil – wir müssen ja weiter. Unser nächstes Ziel heisst Providenciales, wo wir auch ausklarieren wollen.

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In wenigen Metern verlassen wir die Caicos Bank. Das Meer wird wieder bis zu 3000m tief.

Wieder fahren wir auf die Caicos Bank und wieder schaffen wir es ohne Grundberührung. Zum Ausklarieren sind wir jedoch zu spät. Wir nutzen den Tag um den Proviant aufzustocken und das völlig abgelegene und unspektakuläre South Dock zu erkunden. Am Abend gibt’s einen Sundowner auf einer schottischen Yacht und am nächsten Tag geht es weiter in die Bahamas.

Auch die Bahamas verdient einen Blog- Eintrag für sich 🙂 Also bis bald…

Liebe Grüsse
Marianne

P.S. Heute verlassen wir Bermudas und segeln zurück nach Europa. Unser erstes Ziel sind die Azoren.

Weitere Impressionen

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Big Sand Cay – meine Trauminsel
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Diese Wolken kündigen einen Wetterwechsel an
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Die ersten Tag auf Turks & Caicos haben wir leider nicht so gutes Wetter.
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South Dock auf Providenciales (Caicos)
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Im Gebäude rechts können wir ausklarieren. Die nette gestrandete Segeljacht wirkt in diesen untiefen Gewässern äusserst motivierend. Vielen Dank. 

 

Und zack.. und zack.. und zack…. St. Barth, St. Martin, BVIs

Und wenn der Ort einfach zu schön ist, um hinter den Laptop zu sitzen? Und wenn der Strom manchmal zu knapp ist, um den PC anzuwerfen? Und wenn die Zeit verstrichen ist und man überhaupt nicht mehr weiss, wo man eigentlich beginnen soll? Tja da gibt es nur eine Lösung: die „und zack“ Version. Hier der erste Teil davon.

St. Barth
Nach dem traumhaften Barbuda segelten wir also weiter nach St. Barth. Genauer bezeichnet Saint Barthelemy. Der Name stammt übrigens von Kolumbus himself. Er hat diesen zu Ehren seines Bruders Bartolomeo, respektive dessen Namenspatron, dem Apostels St. Bartholomäus,  benannt. Heute ist die Insel der Crème de la Crème vorbehalten. Die Hauptstadt Gustavia ist ein Mekka für Superyachten. Als wir für einen Platz in der Marina anfragen, erfahren wir schmerzlich, dass wir wohl nicht zu dieser Kategorie gehören. „Es sind alle Plätze bereits für die Bucket Regattas reserviert“. „Die Was?“. Schon wieder eine Regatta von Superyachten? Offenbar segeln im Anschluss an die Caribbean 600 alle Yachten zum nächsten Race nach St. Barth. Was für tolle Nachrichten für Bernhard. Scheint als pausieren wir nun für eine Woche in St. Barth und warten auf den Start. Zugegeben, als französisches Überseegebiet hat die Insel alles was man braucht. Und da wir kein Hotel suchen müssen, ist es für uns sogar erschwinglich. Zudem haben wir mit Shell Beach den wohl einzigen Ort in der Nähe der Stadt gefunden, wo man um sonst ankern darf. Die Bucht ist ausserdem wunderschön und natürlich sonnen sich hier ebenfalls wieder die Schönen und Reichen am Strand. Während ich mich auf dem Schiff gemütlich einrichte und zwischenzeitlich in das angenehm warme Meer springe, widmet Bernhard seine freie Zeit der Begutachtung der neu eingetroffenen Superyachten. Nach einer knappen Woche schauen wir uns den ersten Lauf der J-Class Regatte an und machen uns im Anschluss weiter auf den Weg nach Sint Maarten. Bernhard schmerzt es etwas die weiteren Regattas zu verpassen. Ich jedoch freue mich irgendwie wieder auf eine etwas bodenständigere Insel zu kommen.

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Shell Beach auf St.Barth
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Bernhard kehrt zurück von seiner Yachtbesichtigung. Wir ankern so nahe am Strand, dass wir kein Dinghi benötigen um an Land zu kommen!
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Juhuuu schon wieder eine Regatta 🙂
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Der spektakuläre Final Approach auf St. Barth.
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Sogar eine Segelschule mit Optikursen gibt es hier.
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Es ist wieder eine neue J-Class eingetroffen…
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Die J-Class Yachten donnern über die Startlinie. 

Und zack…. Sint Maarten / Saint Martin
Diese Insel wird von den Holländern und den Franzosen mit einer offenen Grenze geteilt. Zuerst besuchen wir Sint Maarten, wo wir die SY Svea kennen lernen. Ein junges Paar aus der Schweiz. Wir dachten ja lange, dass nicht so viele junge Paare unterwegs sind. Aber durch sie haben wir erfahren, wie viele es „von uns“ gibt. Und auf einmal befinden wir uns zu acht in der Happy Hour. Gemeinsam mit der Svea beschliessen wir auf die französische Seite der Insel zu wechseln, da das holländische Flair hier leider auf Heineken Werbung und Bierstände reduziert ist. Die Marina Port Royale in Marigot ist viel schöner gelegen und gefällt uns so gut, dass wir dort einige Nächte bleiben. Durch die Svea lernen wir hier auch die Buna Luna kennen. Ebenfalls ein junges Paar; und Franziska kommt sogar aus Thun! Wir geniessen einige Abende zu sechst und anschliessend machen Bernhard und ich uns auf den Weg zu den British Virgin Islands….

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Marina Port Royal in Marigot

Und zack….British Virgin Island, BVIs
Während es mich in St. Martin irgendwie nicht mehr so ins Wasser gezogen hat, kann ich hier endlich wieder baden und schnorcheln. Die ersten Tage verbringen wir im North Sound von Virgin Gorda. Die BVIs sind voll mit Charterschiffen. Der Vorteil: es gibt eine Infrastruktur. Nebst free Wifi geniessen Bernhard und ich sogar ein kostenloses Open Air Kino. Wir schauen uns „Auf der Flucht“ an. Typisch Schweizerisch überlege ich mir, ob wir vielleicht etwas früher dort sein sollten, um gute Plätze zu ergattern. Allerdings sind wir letztendlich die einzigen im Kino und können uns ganz gemütlich den besten Platz aussuchen. Einige Tage später treffen dann auch die Svea, die Good Times und die Buna Luna im North Sound ein. Und wir beschliessen mit der Svea und der Buna Luna die BVIs gemeinsam zu entdecken. Da wir etwas unter Zeitdruck stehen, wie immer, lassen sich die beiden Crews auf unseren BVI Eiltempo-Törnvorschlag ein. Wie sie das erlebt haben könnt ihr gerne auf ihren Blogs nachlesen. Das Stichwort „Schnorchelstress“ sagt aber bereits einiges… 😉
Wir geniessen die Flottillen-Tage mit ihnen sehr und es fällt uns schwer uns von ihnen zu verabschieden. Hoffentlich auf bald!

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Unser erster Ankerplatz auf den BVIs – Saba Rock im North Sound von Virgin Gorda
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Wandergrüppli Svea, Good Times und Jolene
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The Bath auf Virgin Gorda. Steinformationen vom Schönsten!
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Wir bereiten das gemeinsame Abendessen vor. 
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Willy T. Eine alte Schooner zur Bar umfunktioniert steht mitten im Ankerfeld.
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Uns gefällt aber dieses Ambiente besser.
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Auf Jost van Dyke klarieren wir aus und verabschieden uns von der Flottille sowie von den BVIs. 

Und zack…
Unser nächstes Ziel heisst Turks and Caicos und später dann Bahamas. Das wohl untiefste Segelgebiet in der Karibik. Ob das mit unserem Tiefgang von 2.20m
klappt? Jeder der die Bahamas kennt und mich nach unserem Tiefgang fragt, schaut mich etwas mitleidig an. Naja, das wir schon passen und wir sind ja Meister im „Knäppeln“ (also manchmal mehr und manchmal weniger…).

Liebe Grüsse
Marianne

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Eine Gruppe Delphine begleitet uns auf den ersten Meilen nach Turks & Caicos.

 

Guadeloupe, Antigua & Barbuda – Endlich in der Karibik

Was tut man so nun angekommen in der Karibik? Ins Wasser springen? Sonnenbaden? An der Strandbar Rum-Punch trinken? Das wäre wohl eher im Programm, wenn man mit dem Kreuzfahrtschiff rübergekommen wäre. Für uns heisst es zuerst mal das Schiff wieder auf ein normales Niveau zu klarieren. Wir spülen das Deck gründlich mit Süsswasser und putzen die Toiletten, Kabinen und den Salon. Obwohl ich keinen Putzfimmel habe, fühlt es sich diesmal richtig gut an!

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Jolene ist frisch geputzt und die Wäsche trocknet an der Reling unglaublich schnell.

In Guadeloupe selber bleiben wir, leider, nur kurz. Das Caribbean 600 Race, eine Regatta um verschiedene Karibikinseln mit grossen schnellen Schiffen, startet in einigen Tagen in Antigua und so drängt Bernhard auf einen raschen Aufbruch. Wir verabschieden uns von Albi und Joshi, welche nun auf festem Boden die neue Insel erkunden werden. Ich hoffe sie finden einen sicheren Ort zum Übernachten. Da ich diesen Text „etwas“ verspätet schreibe, weiss ich, dass es ihnen gut ergangen ist. Wir hatten wirklich eine wunderbare Zeit mit ihnen auf dem Atlantik.

Nach einer 10-stündigen Fahrt mit gutem Wind, viel Sonne und wenig Schatten erreichen wir den English Harbour auf Antigua. Wir machen im Hafen an einer Boje fest, wassern unser Dinghi ein, und gehen einmal mehr auf die Suche nach Wifi.
Da wir immer noch keinen Törn Führer besitzen, werden wir von der hier gängigen Währung, dem Easter Caribbean Dollar, überrascht. Wir sehen die Preise und haben keine Ahnung ob etwas teuer oder günstig ist. In einem eher teuer scheinenden Restaurant im Nelsons Dockyard  bestellen wir uns eine Cola und ein Bier. Endlich ein Wifi-Code. Nun können wir auch bestätigen, das Restaurant befindet sich wirklich im oberen Preissegment. Für unsere zwei Getränke lassen wir hier 15 Franken liegen. Aber der Internetempfang reicht bis aufs Schiff und so verbringen wir anschliessend einen wunderbaren Abend mit Wifi auf der Jolene.

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Unser Wifi finden wir beim Admirals Inn im Nelsons Dockyard

Am nächsten Tag ist schon der Start der Regatta. Ich befürchtete bereits Bernhard wolle mit dem Schiff zur Startlinie fahren, was ich schon einige Male mit erhöhtem Puls meinerseits erleben „durfte“.  Aber zum Glück schauen wir uns den Start von einem erhöhten Aussichtspunkt an Land an. Es ist beeindruckend! Die Startlinie befindet sich direkt unter uns und wir können das Geschehen  an vorderster Front mitverfolgen.

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Wunderbare Aussicht auf die Startlinie des Caribbean 600

Ein paar Tage später nimmt der Wind ziemlich stark zu. Was tut man nun, wenn man bei 27kt Wind vor Anker liegt und der Wind übers Deck heult? In die Koje legen und Serien gucken. Und so kommt es, dass wir einige Tage unter Deck verschwinden, die Luken verdunkeln und uns Folge um Folge die kompletten sechs Staffeln von Game of Thrones reinziehen. Sechs Staffeln in ca. fünf Tagen, das nennt man dann wohl Serienjunken.

Der Wind hat etwas nachgelassen und das Leben in der Karibik kann weitergehen. Wir besuchen die Hauptstadt von Antigua, St. Johns, welche mir wirklich sehr gut gefällt. Im Gegensatz zum etwas snobigen English Harbour kann man hier das Karibische Flair deutlich spüren. Die farbigen Häuser, die belebten Strassen, die Märkte. Da wir bei  der „Port Authority“ am anderen Ender der Stadt  ausklarieren wollen, haben wir auch noch die Gelegenheit durch ein nicht touristisches Quartier zu spazieren. Bernhard murmelt irgendetwas von „Ghetto“. Ich lächle jedem nett zu und grüsse freundlich, in der Hoffnung, dass die Menschen hier auch wirklich so freundlich sind, wie ich das gelesen habe. Und sie waren/sind es zum Glück! Nach dem wir im Frachthafen zum dritten oder zum vierten Mal erklärt haben um was es geht, meint die Dame im Office nur, dass wir doch bitte erst in Barbuda ausklarieren sollen….trotz Wochenende und fehlenden Anlegeplätzen.  Na gut, dann spazieren wir halt die ca. 30min durch das Quartier wieder zurück und lassen uns überraschen wie das Ausklarieren in der 1500 Seelen Insel Barbuda wohl so sein wird.

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Damit wir das Gelände der Port Authority betreten durften, wurden uns nach der Ausweiskontrolle Besucher-Badges ausgestellt. Mich amüsierte es, Bärni weniger 😉

Die Fahrt nach Barbuda wird in der kostenlose Antigua Guide Broschüre als, wohl die härtesten aber lohnendsten Meilen, die du je gesegelt bis, beschrieben. Dies weil man mit grosser Wahrscheinlichkeit am Wind segeln muss. Bedeutet für die Nichtsegler, viel Schräglage (Krängung), die Wellen spritzen bis ins Cockpit, kurzgesagt kein gemütliches Segeln. Wir haben das Mittelmeer im Winter durchquert, sind über den Atlantik gesegelt, was soll uns da noch gross erschüttern. Tja, mein Hochmut wurde mit knapp 30 Meilen Seekrankheit bestraft. Bernhard hat aber mit vollem Einsatz am Ruder den Kurs gehalten. Barbuda ist so flach, dass wir die Insel erst ca. 5 Meilen vor Ankunft erkennen. Wir zielen auf den Cocoa Point und werden mit dem allerschönsten Strand belohnt, den wir je gesehen haben. Kein Wunder, später lese ich, dass dies der Privatstrand von Lady Diana gewesen ist und sie hier oft Urlaub mit ihren Söhnen Harry und William gemacht hat. Die Insel hat nur zwei Resorts und Normalsterbliche können sich auch heute noch die Ferien hier nicht leisten. Trick 17, man kommt mit dem eigenen Segelboot dort hin, ankert vor dem Nobelschuppen und spioniert mit dem Feldstecher die Schönen und Reichen aus. Wir konnten jedoch keine Prominenz erkennen.

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Was für ein Strand! Cocoa Point auf Barbuda

Wir erkunden am nächsten Tag die Insel zu Fuss und treffen auf verlassene Wellblechhütten und wild lebende Esel. Die Hütten, erfahren wir anschliessend von einem Einheimischen, sind die Ferienhäuser der Einheimischen. Die meisten davon wohnen in Codrington, der Hauptstadt bzw. Hauptort bzw. einziger Ort der Insel und somit dort, wo wir in einigen Tagen ausklarieren werden.

Unsere letzte Nacht auf Barbuda verbringen wir beim Ferry Dock, was wirklich alles andere als  ein guter Ankerplatz ist. Er bietet aber immer noch den besten Schutz vor dem enormen Swell, welcher uns seit der ersten Nacht das Ankern schwer macht. Wir liegen hier alleine, bis ein Katamaran auf direktem Kurs auf uns zu steuert und uns fragt, ob sie beim Ferry Dock anlegen können. Wir „schreien“ rüber, dass dies wohl keine gute Idee ist, da die Fähre ja morgen früh wieder hier sein wird. Sie rufen zurück, dass sie ein Loch im Boot haben. Bernhard erwidert, sehr sachlich und korrekt, dass es dann ja wohl keinen Unterschied macht ob sie Anlegen oder Ankern. Sie erkennen die Richtigkeit seiner Aussage und gehen vor Anker. Anschliessend kommt ein Crewmitglied, es ist eine Deutsche Crew, zu uns herüber und fragt, ob wir vielleicht einen Holzstopfen haben. Ich gebe ihm den Stopfen und zudem Bernhard gleich mit und hoffe, dass er ihnen helfen kann. Sie wirken alle ziemlich gestresst. Eine gute Stunde später ist Bernhard zurück und berichtet ihre Geschichte. Auf dem Weg nach Barbuda hat sich die Echolot-Sonde gelöst und das Wasser kam wie eine Fontäne ins Innere des Schiffs. Sie haben das Schiff lediglich gechartert und waren auf ein solches Szenario nicht vorbereitet. Mit unglaublich viel Angst aber auch Ausdauer, haben sie es doch noch bis Barbuda geschafft. Bernhard konnte ihnen die Bilgenpumpe wieder in Gang bringen, respektive komplett umbauen, und mit der französisch sprechenden Charterfirma telefonieren. Happy End – am nächsten Tag stand der Katamaran noch und die Charterfirma wird mit einem anderen Katamaran zu ihnen segeln, um das Schiff zu tauschen. Erholsame Segelferien waren das aber definitiv nicht. Wir verabschieden uns und machen uns auf den Weg nach St. Barth, die Wunschdestination von Bernhard und erneuter Hot Spot von den Schönen und Reichen. Aber wo es Schöne und Reiche hat, hat es halt auch schöne und grosse Boote!

Liebe Grüsse
Marianne

Fotostrecke:

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Wir ankern in der Freeman’s Bay, Antigua
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Das Dinghi wird zu unserem Auto.
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Auch klassische Yachten nahmen an der Regatte teil. Wie z.B. dieser 50m Schoner.
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Bärni sieht sich die Superyachten an. Das kann wohl länger dauern….
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Cocoa Point auf Barbuda
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Immer noch Cocoa Point 🙂
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Irgendwo versteckt findet man noch dieses Schild…
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Nach dieser Gewitterzelle wird es auf unserem Ankerplatz in Low Bay ungemütlich.
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Ausklarieren in Codrington, Barbuda. Hier: das Immigration-Office

Pläne sind da, um sie zu ändern

„Eine Weltumsegelung soll es werden. Zeit haben wir so zwei Jahre.“

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Mit diesen Worten haben wir euch im letzten Herbst verlassen. Mittlerweile haben sich unsere Pläne jedoch geändert und wir werden nach dem Besuch meiner Familie auf den Bahamas den Weg zurück ins Mittelmeer antreten. Das Wetterfenster ist für die Überfahrt West-Ost bis und mit Juni ideal. Also nichts wie los.

Liebe Grüsse
Marianne
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P.S. WIR SUCHEN DICH!
Hast du Lust auf ein Abenteuer Transatlantik West-Ost? Absegeln ist Ende Mai (KW21) in Nassau, danach 2-3 Wochen, je nachdem ob du bis Bermuda, Azoren oder Portugal mitsegelst. Zusteigen auf Bermuda oder Azoren ist auch möglich.

Falls ja, melde dich doch bei uns! Wir haben noch zwei Plätze frei.

LG Bernhard

Referenzen 😉

http://www.rumkommen.de/de/blog/index.php?controller=post&action=view&id_post=20

https://youtu.be/WDazJSnPAW8

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Atlantik zum Dritten – der Spi verabschiedet sich

Es ist vollbracht! Wir sind in der Karibik. In den letzten Tagen gab es allerdings noch ziemliche Action. Dank meinem Freund dem Spi. Aber das Problem habe ich ja nun gelöst. 😉

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Team Jolene Transatlantik Ost-West

Wir befinden uns seit zwei Wochen auf dem Atlantik. Alles läuft soweit gut. Ich habe etwas den Wellen-koller und freue mich doch langsam aufs Ankommen. Zwischendurch schauen wir auf den Plotter und staunen, wie weit wir doch schon sind. Die zurückgelegte Strecke ist länger als die Strecke, welche noch vor uns liegt. Übrigens haben wir uns nun endlich entschieden, wohin wir eigentlich segeln wollen. Unser Landfall in der Karibik soll auf Guadeloupe geschehen. Guadeloupe gehört zu Frankreich und ist somit zum Einklarieren wenig problematisch. Dummerweise haben wir aber überhaupt keine Informationen über diese Insel auf dem Schiff. Unser Cruising Guide beinhaltet nur die Inseln von Martinique südwärts. Naja, wir werden dann schon irgendwie eine Marina und ein Ort zum Einklarieren finden.

Der Wind nimmt nun zwischenzeitlich auf 15 Knoten ab und wir entscheiden uns den Spi wieder zu setzen. Die Wetterprognosen zeigen für die nächsten Tage lediglich leichte Winde. Unglücklicherweise scheinen sich die Prognosen zu Beginn zu irren. Immer wieder kommen Phasen von bis zu 25 Knoten. Der Autopilot ist nicht mehr fähig das Boot unter dieser Besegelung zu steuern und so gehen Bernhard und ich abwechslungsweise ans Ruder. Das Steuern ist äusserst schwierig, da das Boot bei den Böen so stark anluvt, dass selbst wir zu wenig Gegendruck steuern können. Als sich die Situation beruhigt und der Wind wieder nachlässt, gehen wir davon aus, dass nun die starken Winde vorbei sind und die Prognose von Leichtwind eintreffen. Bernhard legt sich nochmals hin und ich versuche ein neues Pfannenbrotrezept aus. Plötzlich nehme ich im Salon an der Krängung war, dass der Autopilot wieder etwas Mühe beim Steuern hat. Ich gehe in Cockpit und sehe, dass der Wind erneut auf 25 Knoten zugenommen hat. Sofort übernehme ich das Steuer und bitte Albi Bernhard zu wecken. Als Bernhard im Niedergang erscheint, sieht er gerade noch, wie das Boot anluvt und ich trotz vollem Gegensteuer das Boot nicht mehr auf Kurs halten kann. Es stellt sich beinahe in den Wind und bremst dadurch ab. Als ich feststelle, dass das Boot sich wieder zu Drehen beginnt bin ich erleichtert. Wer hätte auch gedacht, dass dies die heiklere Situation ist. Das Boot dreht sich, der Wind kann wieder mit seiner vollen Kraft von hinten ins Segel blasen und dabei passiert es. Ein Knall und der Spi reist von links nach rechts komplett durch. Etwas geschockt stehen Bernhard, Albi und ich da und sagen erst einmal gar nichts. Es herrscht keine Panik. Nur eine allgemeine Stille. Ist das jetzt wirklich passiert? Und musste eigentlich ausgerechnet ich die am Steuer sein?! Vielen Dank auch lieber Spi! Bernhard, Albi und Joshi ziehen den Spi aus dem Wasser bevor er sich im Kiel verfangen kann und Albi klettert im Anschluss mit einer Leichtigkeit auf den Mast, um die Reste, welche jetzt wie eine Fahne im Masttop rumflattern, zu bergen.

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Albi, unser Held der Stunde, rettet die Reste des Spinnakers.

Nach dem ersten Schock, machen Bernhard und ich uns daran, den Spi wieder zusammen zu nähen. Wir haben keine Ahnung wie das geht. Zudem haben wir natürlich auch nicht die richtigen Materialien. Lediglich ein gewöhnlicher Faden. Aber wir haben Zeit und ein Versuch ist es wert. Wir nähen also ungefähr während drei Stunden und werden kurz vor der Dämmerung fertig. Ich kann Bernhard davon überzeugen den Spi erst am nächsten Tag bei Tageslicht zu hissen, was er dann auch gleich nach dem Aufstehen unternimmt.

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Unsere Naht haben wir im Anschluss noch mit Tape überklebt. Sieht doch gar nicht so schlecht aus, oder?

Der Spi hält zwei Stunden bis unsere Naht das erste Mal wieder aufreisst. Wir bergen den Spi und nähen nach. Anschliessend macht er nochmals eine weitere Stunde, bis er erneut, diesmal aber an einer anderen Stelle, einreist. Wir erlösen den verletzten Spi und müssen nun wohl oder übel akzeptieren, dass die letzten Meilen in die Karibik, dank Leichtwind, etwas länger dauern werden.

Während Bernhard dem Spi nachtrauert, beginne ich die Leichtwindtage zu geniessen. Weniger Wellen bedeutet mehr Leben. Wir haben nun die Möglichkeit mitten auf dem Atlantik ins Wasser zu springen und uns von dem Schiff etwas nachziehen zu lassen. Das Wasser ist erstaunlich warm und glasklar.

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Badespass mitten im Atlantik.

Knapp drei Tage später ist es soweit. Wir sehen Land!!!! Ein komisches Gefühl, nach so langer Zeit wieder etwas am Horizont auszumachen. Wir erkennen Palmen, Strand, farbige Häuser. Endlich in der Karibik. Wir lassen unseren Anker nach 18 Tagen auf See am 15. Februar 2017 auf sandigen Grund  in Saint Francois fallen. Bonjour Guadeloupe!

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Bärni sieht Land!
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Joshi auch 🙂

Liebe Grüsse, mittlerweile aus den Bahamas

Marianne

Und wie immer noch einige Bilder:

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Selfie-Time auf dem Atlantik
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Bärni bei der Arbeit! 
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Jeden Abend werden wir mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt.
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Einer unserer letzten Tage auf See.

 

Atlantik zum Zweiten – der Alltag auf See beginnt

Wir sind unterwegs. Teneriffa, deren Lichter wir in der Nacht noch leuchten sahen, ist im Morgengrauen hinter dem Horizont verschwunden. Die Temperaturen sind tagsüber ganz angenehm, in der Nacht jedoch noch etwas kühl.

Der Atlantik empfängt uns mit angenehmen 14 Knoten aus Nordost. Das passt super, da wir zuerst südlich in Richtung Kap Verden steuern und erst anschliessend quasi rechts in die Karibik abbiegen werden. Der Grund für diese Route ist der Passatwindgürtel, welcher sich auf der Höhe der Kap Verden befindet. Natürlich wird bei diesem Kurs und dieser Windstärke der Spinnaker gesetzt und Bernhard kann sich erneut durchsetzen den Spi auch über Nacht stehen zu lassen. Nach zwei Tagen wird der Wind aber zu stark und der Spi wird geborgen. Die Wellen nehmen ebenfalls zu und wir notieren im Log-Buch eine Wellenhöhe von 2m. Die Höhe ist eigentlich gering im Vergleich dazu, was man so auf dem Atlantik antreffen könnte. Da die Wellen jedoch brechen, sind  wir im Cockpit leider nicht mehr zuverlässig vor Nässe geschützt. Eine gute Portion Spritzwasser schafft es sogar durch den Niedergang in den Salon runter. Glücklicherweise müssen wir aber keine Schäden von elektrischen Geräten verzeichnen. Der Schock dauert also nur kurz und wir schliessen ab diesem Zeitpunkt konsequent den Niedergang.

Die Stimmung an Bord ist gut. Es wird gelesen, musiziert, Hörbücher gehört, gekocht, Yoga versucht (war jedoch einfach zu wellig und die Gefahr über Bord zu fallen zu gross) und auch viel erzählt und diskutiert. Wo uns in der Vorbereitungsphase noch etwas die Zeit gefehlt hat, Joshi und Albi richtig kennenzulernen, so hatten wir nun genug Zeit dies nachzuholen. Ihre Berichte über die bis dato erlebten Reisen waren äusserst spannend und fesselnd. Und so gingen die ersten Tage eigentlich ziemlich schnell vorbei. Die Nacht haben wir uns in drei-Stunden-Schichten aufgeteilt, wobei wir nach jedem Tag die Reihenfolge rotierten. Eine Schicht pro Nacht pro Person und neun Stunden Schlaf! Purer Luxus! So kann ich meine Schicht richtig geniessen. Es sind die drei Stunden am Tag, in welchen ich in Ruhe meinen Gedanken nachgehen kann und den Atlantik nur für mich habe. Zu Beginn der Überfahrt ist die Nacht noch stockdunkel, da wir in einer Neumondphase gestartet sind. Und weil in der Nacht meist Wolken aufziehen, ist der Sternenhimmel lediglich punktuell auszumachen. Umso schöner ist es, wenn er zwischendurch aufklart, dann werden wir von Orion, Kassiopeia und dem Wagen begleitet, das fühlt sich irgendwie fast etwas wie zu Hause an. Das Highlight in den ersten Nachschichten ist jedoch das Plankton. Das Glitzern und Blitzen, welches durch die Reaktion entsteht, wenn wir mit unserem Schiff durch das Wasser gleiten ist einmalig. In einer Nachtschicht werde ich beinahe über eine Stunde von Delphinen begleitet. Ich setzte mich auf den Bug Korb und singe ihnen ein Mantra vor. Wahrscheinlich ist es nur Einbildung, aber ich habe das Gefühl, dass die Delphine die Aufmerksamkeit geniessen. Immer wieder gleiten sie unter dem Bug durch, drehen sich seitlich und auf den Rücken, springen kurz aus dem Wasser, schwimmen weg und kehren gleich wieder zurück. Mein neues Lieblingstier: Delphin. Da ich nicht weiss, ob die Delphine die Töne geniessen, getraue ich mich nicht damit aufzuhören, bis ich nach fast einer Stunde langsam heiser werde und der Stimme zu liebe meinen Gesang unterbreche. Die Delphine verabschieden sich und schwimmen fort.

Es vergeht ein Tag nach dem anderen und es  lässt sich nicht bestreiten, dass nach einiger Zeit auf hoher See eine gewisse Eintönigkeit aufkommt. Wir sind also für jede kleine Abwechslung dankbar. Hier eine kleine Auflistung

  • Ein kleiner Tintenfisch verirrt sich an Bord. Wir benutzen ihn als echten Köder für unsere Angelschnur. Leider wieder ohne Erfolg. Zudem hat der sich so extrem an der Leine gedreht, dass die Angelschnur nicht mehr zu retten ist. Da ich nichts anderes zu tun habe, versuche ich fast zwei Stunden noch die Schnur zu entfädeln und nehme es als Geduldsprüfung. Sie wird leider nicht bestanden und die Schnur wanderte in den Müll. Das war auf dem Atlantik unser letzter Angelversuch – ich hatte die Nase voll…..
  • Bernhard findet es lustig Herr über die Zeit zu sein und bestimmt jeweils, wann wir die Bordzeit eine Stunde zurückstellen sollen. Dieses Privileg darf er viermal ausüben, da die Karibik ja UTC-4 ist. Aktuell sind wir also minus sechs gegenüber der Schweiz, da mittlerweile im alten Europa auf Sommerzeit umgestellt wurde.
  • Mitten auf dem Atlantik treffen wir auf einmal gleich zwei Segelboote. Bernhard übernimmt das Steuer, damit wir die maximale Geschwindigkeit erlangen um sie aufzuholen. Dann führen wir ein nettes kurzes Gespräch via Funk. Anschliessend lassen wir die Boote hinter uns. Die Crew ist in Topform und die Stimmung auf dem Höhepunkt. Es wird zu Bravohits aus den 90er getanzt. Zum Glück ist es dunkel….
  • Ab Tag 8 treten die fliegenden Fische in unser Leben. Da wir zu Beginn noch nicht wussten, dass diese durch Licht angezogen werden, bereicherten sie unerwartet unser Abendessen draussen im Cockpit. Einer flog Bernhard, dem Fischliebhaber, direkt in den Nacken. Wir versuchen die zappligen glitschigen Dinger über Bord zu werfen und damit zu retten. Der penetrante Fischgeruch bringt man allerdings fast nicht mehr von den Händen und die Rettung missglückt leider meist.

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    Leider nicht mehr fliegender Fisch
  • Joshi feiert am 7.Februar seinen 19. Geburtstag. Zu diesem Feiertag wird ein Schokoladenkuchen gebacken und natürlich gefeiert.

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    Backe, backe Kuchen…..
  • Weil es jetzt unter Deck immer heisser wird, sollte das Schiff auch ein bisschen gelüftet werden. Während Bernhard und ich schlafen und der Autopilot mal wieder ein bisschen zu stark anluvt, findet Salzwasser den Weg durch unsere Dachluke. Na, vielen Dank! Gesalzene Matratze!

 

In meinem nächsten Bericht, „Atlantik zum Dritten – der Spi verabschiedet sich“, werde ich euch  erzählen, wie wir trotz Leichtwind, und ohne Leichtwindsegel die Karibik doch noch erreichen konnten.

Liebe Grüsse

Marianne

P.S. Die Stelle als Wassertankdeckel ist seit dem Atlantik wieder offen. Bewerbungen nehmen wir gerne unter marianne.v.roth(at)gmail.com entgegen. Erfahrung ist von Vorteil. Wir streben eine lange und loyale Partnerschaft an. Wir freuen uns auf dich!

Impressionen

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Wichtig beim Kochen: schulterbreiter Stand
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Sonnenuntergänge sind natürlich immer schöne Fotomotive
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Leben im Cockpit. Die Stimmung ist gut.
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Zwischendurch wird sogar gesteuert.
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Vom Neumond zum Vollmond. Ein schöner Wandel!

Atlantik zum Ersten

Es gibt kein zurück. Es ist so weit.

Obwohl die Kanaren noch viel mehr zu bieten hätten, als wir in diesen zwei Wochen sehen konnten, ist es nun an der Zeit die grosse Fahrt über  den Teich anzutreten. Es ist Ende Januar und die meisten Gleichgesinnten sind bereits in der Karibik angekommen oder auf dem Weg. Also ticken unsere Schweizer Uhren – wir wollen da ja nicht etwa zu spät kommen.

Noch in der Schweiz war ich der Meinung, dass wir diese Etappe nur zu zweit oder allenfalls mit ganz engen Freunden segeln sollten. Immerhin ist man über drei Wochen auf engstem Raum und da wünsche ich mir keine unangenehmen Überraschungen. Seit wir uns aber auf der Reise befinden habe ich gelernt etwas flexibler und praktischer zu denken. Und dann in Teneriffa kommt Bernhard mit zwei  „Backpackers?“, „Hippies?“, „Vagabunden?“  (ich wusste nicht genau wo ich sie zuordnen sollte) an. Sie suchen eine Mitfahrgelegenheit über den Atlantik. Ich erfahre, dass sie „Tramper“ sind. Albi ist bereits seit 20 Monaten unterwegs und Joshi ist exakt am selben Wochenende wie wir gestartet. Nach ein wenig Bedenkzeit und ein paar Emails, entschliessen wir uns die beiden mitzunehmen. Vier Personen an Bord bedeuten, weniger Schichten, mehr Schlaf, weniger Kochen, mehr Hände für Manöver, mehr Sicherheit und mehr Abwechslung an Bord.

Kurz nachdem uns Caroline und Lorenz verlassen haben ziehen Albi und Joshi auf der „Jolene“ ein. Nebst ihrem Gepäck haben sie bereits mehrere riesige Säcke an Nahrungsmittel mit dabei und wir erkennen schnell, dass wir auch kulinarisch auf der Atlantiküberquerung etwas erleben werden.

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Dieser Proviant ist mit Joshi und Albi eingezogen. Das reicht doch schon fast für einmal über den Atlantik?!

 

Gemeinsam machen wir uns an die Planung der Proviantierung. Das wichtigste ist das Trinkwasser. Wir rechnen 2l Wasser pro Kopf pro Tag und das für 30 Tage (da man immer etwas Reserve haben sollte – beispielsweise für unvorhergesehene Flauten?). Albi und Joshi machen sich also mit ihrem Freund  Alejandro aus Teneriffa (der glücklicherweise ein Auto besitzt) auf den Weg um 240l Mineralwasser zu kaufen. Gekauft werden 8l Kanister und einige 1.5l Flaschen, welche wir jeweils wieder frisch auffüllen werden. Damit erhoffen wir uns den Abfallberg während den drei Wochen möglichst klein zu halten.

Der Grosseinkauf an Nahrung übernehmen Albi und ich am folgenden Tag zu Fuss!!! Ich habe nicht auf die Uhr geschaut, aber wir verbringen so um die drei Stunden in einem nicht allzu grossen Supermarkt. Wir füllen zwei Einkaufswagen, wovon das Personal uns einen schon fast wieder ausräumt, weil wir ihn irgendwo voll stehengelassen haben. Während ich mich super mit Käse, Chips, Nüssli und Pasta auskenne, punktet Albi mit seinem Wissen von Bio- und ökologisch vertretbaren Lebensmittel (kein Palmöl!). Kurz gesagt, ein super Team.

Die „Jolene“ ist bereit. Die Crew ist in Topform und Proviant ist für ca. 30 Tage oder eher mehr geladen. Jetzt heisst es auf das passende Wetterfenster warten. Gemäss den Wetterprognosen bestimmt Bernhard unsere Abfahrt auf den Samstagmittag. Wir hören noch von zwei weiteren Booten in der Marina, welche ebenfalls am Samstag den Weg über den Atlantik wagen wollen. Ein gutes Zeichen. Als wir dann am Samstag um 13:15Uhr auslaufen, erleben wir ein Abschiedskomitee, dass uns wirklich aus den Socken haut. Alejandro ist nochmal quer über die Insel gefahren, um die beiden zu verabschieden, die ganze Crew von der Hoppet, einem befreundeten Schiff von Albi, ein Schweizer Paar, Lina und Andi, welche an diesem Tag nach zwei Wochen Segelferien die Kanaren wieder verlassen werden und unser Nachbarschiff, die Papillon, ein französisches Paar, welche uns noch in die Karibik folgen werden, alle stehen sie da und winken uns herzlich beim Ablegen zu. Obwohl ich keiner dieser Personen eigentlich kenne, so ist dies ein sehr sentimentaler Moment für mich. Sie stehen heute stellvertretend für Freunde und Familie am Steg und verabschieden uns mit guten Wünschen.

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Auf Wiedersehen – wir verlassen den Hafen San Miguel

Schoten und Fender werden für eine lang Zeit verstaut. Albi und Joshi fragen uns, wo es denn nun eigentlich hingehe. Schwierige Frage. Bernhard hat beim Ausklarieren Barbados angegeben, aber eigentlich sollten wir aus Visa gründen nach Martinique und dann wäre Ende Februar in Antigua noch diese Regatta die Bernhard nicht verpassen möchte. Vielleicht lassen wir dieser Frage noch etwas Zeit….

Liebe Grüsse
Marianne

… und natürlich noch ein paar Impressionen

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Schnipp Schnapp Haare ab. Übrigens hat Bernhard mir ebenfalls die Haare bei ca. 20kt Wind  geschnitten. 
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Zwei Tag vor dem Start, fahren wir kurz aus dem Hafen raus um zu ankern und das Unterwasser zu putzen. 
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Wir sind gestartet. Nun heisst es Segel setzen.
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Der Atlantik begrüsst uns mit einem wunderschönen ersten Sonnenuntergang. 

Von Gibraltar nach Teneriffa

Wir verabschieden uns von Gibraltar und sind bereit das Festland für eine unbestimmte Zeit zu verlassen. Ich wünsche mir den Wind aus der richtigen Richtung, wenig Wellen und möglichst kein Gewitter. Ob das in Erfüllung ging?

Am Samstag, 7. Januar 2017, steht das erweiterte „Team Jolene“ bestehend aus Bernhard, Lorenz und Marianne bereit für die Fahrt in den Atlantik. Kurz vor Abfahrt besprechen wir unsere geplante Route noch mit einem deutschen Paar, welches ebenfalls am selben Tag in Richtung Kanaren startet. Sie sind mit einem Luxus-Fahrtenschiff unterwegs, welches mit 800l Dieseltank und Watermaker bestens für lange Schläge ausgerüstet ist. Zudem kriegen sie von einem deutschen Meteounternehmen jeden Tag zweimal die Wetterdaten als GRIB-File zugesandt mit einer persönlichen Kursempfehlung. Sie wollen nur kurz in den Gran Canaria verweilen, die Motorwellendichtung ersetzten und anschliessend möglichst rasch über den Atlantik. Seit Sommer sind sie unterwegs und haben ein Jahr zuvor all ihre Ferien für die Arbeiten am Schiff verwendet. Der Traum der Langfahrt scheint bei ihnen schon vor dem Verlassen des Mittelmeeres erste Erschöpfungsspuren hinterlassen zu haben. Ständig gehe etwas kaputt. Im Moment funktioniert ihr Gaskocher nicht. Erneut bin ich dem merkwürdigen Typen für seine überteuerte Gasflasche dankbar! Zugegeben, auch bei uns gibt es immer wieder so „Erschöpfungsmomente“. Dadurch, dass sich Bernhard zum Allrounder für verschiedenste  Reparaturen entwickelt hat, sind die Schäden jedoch meist nicht so tragisch. Aber das Suchen nach Ersatzteilen und damit das ständige „ship-chandler“ abklappern, kann schon etwas nerven. Im Moment stehen allerdings keine Reparaturen an und die Reise in Richtung Sonne, Sand und Strand kann weiter gehen.

Um 14:15 heisst es Leinen los. Auf Grund von Wind, Strömung und Wellen haben wir uns dazu entschlossen, zuerst einmal die Strasse von Gibraltar zu durchqueren und anschliessend an der  Marokkanischen Küste Kurs in Richtung Westen zu nehmen. Die Strasse von Gibraltar ist sehr beeindruckend. Die Wellen kommen zuerst zwar etwas mühsam von der Seite und sorgen für ein mulmiges Gefühl in der Magengegend, aber all die Frachtschiffe, Tanker, Kreuzfahrtschiffe und Fähren sorgen für viel Spannung. Vor allem die Fähren kreuzen uns sehr nah. Wir fühlen uns mit dem AIS aber sicher, zudem ist ja auch Tag und die Sicht einwandfrei. Mitten auf der „Strasse“ besuchen uns auch noch Delphine. Wer jedoch bei diesen Wellen aufs Vorschiff will riskiert gewaltig Nass zu werden (gell Lorenz ;-)).

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Strasse von Gibraltar

Da die Wetterprognosen an der Westküste Afrikas sehr starken Wind prognostizieren, steuern wir lange nach Westen in den Atlantik bevor wir dann Kurs auf Teneriffa aufnehmen. Fünf Nächte sind wir letztendlich unterwegs. Gesegelt sind wir entweder mit der ausgebaumten Genua oder mit dem Spinnaker. Das Grosssegel haben wir während dieser Überfahrt nicht angerührt. Die Windrichtung war konstant von hinten, Ost bis Nordost. Wie ich bereits im letzten Bericht vorweggenommen habe, blieben unsere Angelversuche ohne Erfolg. Zum Glück hatten wir noch Schweinsfilet im Kühlschrank. Mindestens einer an Bord war nicht ganz traurig darüber.

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Spinnaker-Segeln

Bis zum dritten Tag hatten wir ungefähr um die 14 Knoten Wind. Wunderbar für den Spinnaker. Sogar über Nacht hatten wir den Spinnaker gesetzt, was mich jeweils weniger freute. Als dann der Wind in Richtung 20 Knoten anstieg, haben wir den Spi in einer Notfallübung geborgen. Lorenz und ich waren gerade dabei das Schweinsfilet und Beilagen zuzubereiten, als Bernhard das Kommando zum Spi bergen in den Salon runter gab. In Windeseile versuchten wir alles einigermassen Wellenfest zu verstauen, damit wir nach dem  Manöver nicht ein Schlachtfeld von herumgeflogenem Essen antreffen werden und eilten auf Deck. Es war bereits dunkel. Bernhard und Lorenz zogen auf dem Vorschiff den Spi aufs Deck, während ich hinten das Fall und die Schoten bediente. Unglaublich wieviel Kraft der Wind in so ein Segel bringt. Es war nicht einfach den Spi schnell einzuholen und die beiden mussten sich einerseits bemühen den Spi nicht loszulassen und andererseits verhindern vom Spi über Bord gezogen zu werden. Ein fürchterlicher Anblick für mich. Und vielen, vielen Dank Lorenz, dass du da warst. Wie hätte das zu zweit ausgesehen? Nun wisst ihr auch warum ich nicht so gerne Spinnaker bei Nacht segle. Nimmt der Wind stark zu, muss die ganze Mannschaft geweckt werden und ein kräftezehrendes Manöver beginnt. Glücklicherweise wieder einmal Happy End und wir konnten das Kochen fortsetzen.

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Regenbogenstreifen vor der Marokkanischen Küste.

Mit der Zunahme des Windes wurden aber leider auch die Wellen grösser und wir wurden für die letzten zwei Tage ziemlich durchgeschaukelt. Bernhard und ich denken dasselbe. Atlantiküberquerung. Werden wir so drei Wochen verbringen müssen? Aufstehen, der Gang zur Toilette, Kochen, einfach nur Gehen, alles ist irrsinnig anstrengend wenn es so hin und her rollt. Dafür machen wir zumindest mächtig Fahrt und müssen bis der Wind kurz vor Teneriffa einschläft auf der ganzen Überfahrt nicht motoren. Wirklich ein ideales Wetterfenster, welches wir da erwischt haben. Als ich am 12. Januar um 4:00 Uhr meine Schicht antrete, sehe ich bereits das Leuchtfeuer von Punta de Roque, der Nordspitze Teneriffas. LAND! Im Moment ist bei mir das Segeln, also der Weg, nicht das Ziel, sondern das Ziel ist das Ziel! Es geht ums Ankommen. Vielleicht werde ich das im Rückblick an unsere Reise anders sehen, mal abwarten. Aber nach langem wieder Land zu sehen und letztendlich das Schiff irgendwo festzumachen ist ein besonderer Augenblick.

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Nordküste Teneriffas

Nach all der Hektik durch das Mittelmeer wartet nun eine Woche pure Segelferien auf uns. Caroline, die Freundin von Lorenz, erweitert ab dem 14. Januar unsere Crew und wir segeln fast rund um Teneriffa. Wir geniessen die Zeit zu viert, die Sonne, das Leben. Nur fürs Baden ist es noch eine Spur zu kühl. Am liebsten würden wir die zwei ja gleich mit über den Atlantik nehmen, doch der Alltag in der Schweiz ruft sie zurück und so müssen wir uns eine Woche später wieder von ihnen verabschieden. Danke, dass ihr da wart!

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Endlich einmal wieder Wandern! Hier in der Nähe von La Laguna im Norden Teneriffas.

Warum haben wir uns eigentlich ausgerechnet Teneriffa von den kanarischen Inseln ausgesucht?! Ganz einfach: ich kenne da jemanden! Isabelle, eine Freundin aus meiner Zeit auf der Bank, ist nach Los Cristianos ausgewandert. Das finde ich sehr beeindruckend und somit hatte ich grosse Lust sie auf unserer Reise gleich zu besuchen. Wir sind sogar kurz zu viert eine kleine Runde auf der Jolene gesegelt. Zudem haben uns Isabelle und ihr kubanischer Freund Darell vor der Atlantiküberquerung noch beim Kleiderwaschen unterstützt. Etwas einfaches, was aber auf einer Reise manchmal unglaublich mühsam sein kann. Vielen Dank euch zwei, es hat uns sehr Spass gemacht euch zu treffen!

Ihr wollt endlich wissen wie die Atlantiküberquerung war? Coming soon… 🙂

Liebe Grüsse

Marianne

Fotos, Fotos, Fotos..

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Beim Segeln eine adrette Frisur zu halten ist nicht immer einfach…
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Lorenz bei seinem alltäglichen Fotografieren des Sonnenuntergangs.
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Bernhard und Lorenz auf dem Weg Caroline vom Flughafen abzuholen
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Segeln mit Caroline und Lorenz
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Sprung ins kühle Wasser
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Teneriffa ist auch bekannt für whale watching. Wir sind den Touristen-Booten nachgefahren und sind tatsächlich auf eine Gruppe Grindwale gestossen.
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Caroline im „Top of Jolene“ Aussichtspunkt. Respekt!