Atlantik zum Dritten – der Spi verabschiedet sich

Es ist vollbracht! Wir sind in der Karibik. In den letzten Tagen gab es allerdings noch ziemliche Action. Dank meinem Freund dem Spi. Aber das Problem habe ich ja nun gelöst. 😉

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Team Jolene Transatlantik Ost-West

Wir befinden uns seit zwei Wochen auf dem Atlantik. Alles läuft soweit gut. Ich habe etwas den Wellen-koller und freue mich doch langsam aufs Ankommen. Zwischendurch schauen wir auf den Plotter und staunen, wie weit wir doch schon sind. Die zurückgelegte Strecke ist länger als die Strecke, welche noch vor uns liegt. Übrigens haben wir uns nun endlich entschieden, wohin wir eigentlich segeln wollen. Unser Landfall in der Karibik soll auf Guadeloupe geschehen. Guadeloupe gehört zu Frankreich und ist somit zum Einklarieren wenig problematisch. Dummerweise haben wir aber überhaupt keine Informationen über diese Insel auf dem Schiff. Unser Cruising Guide beinhaltet nur die Inseln von Martinique südwärts. Naja, wir werden dann schon irgendwie eine Marina und ein Ort zum Einklarieren finden.

Der Wind nimmt nun zwischenzeitlich auf 15 Knoten ab und wir entscheiden uns den Spi wieder zu setzen. Die Wetterprognosen zeigen für die nächsten Tage lediglich leichte Winde. Unglücklicherweise scheinen sich die Prognosen zu Beginn zu irren. Immer wieder kommen Phasen von bis zu 25 Knoten. Der Autopilot ist nicht mehr fähig das Boot unter dieser Besegelung zu steuern und so gehen Bernhard und ich abwechslungsweise ans Ruder. Das Steuern ist äusserst schwierig, da das Boot bei den Böen so stark anluvt, dass selbst wir zu wenig Gegendruck steuern können. Als sich die Situation beruhigt und der Wind wieder nachlässt, gehen wir davon aus, dass nun die starken Winde vorbei sind und die Prognose von Leichtwind eintreffen. Bernhard legt sich nochmals hin und ich versuche ein neues Pfannenbrotrezept aus. Plötzlich nehme ich im Salon an der Krängung war, dass der Autopilot wieder etwas Mühe beim Steuern hat. Ich gehe in Cockpit und sehe, dass der Wind erneut auf 25 Knoten zugenommen hat. Sofort übernehme ich das Steuer und bitte Albi Bernhard zu wecken. Als Bernhard im Niedergang erscheint, sieht er gerade noch, wie das Boot anluvt und ich trotz vollem Gegensteuer das Boot nicht mehr auf Kurs halten kann. Es stellt sich beinahe in den Wind und bremst dadurch ab. Als ich feststelle, dass das Boot sich wieder zu Drehen beginnt bin ich erleichtert. Wer hätte auch gedacht, dass dies die heiklere Situation ist. Das Boot dreht sich, der Wind kann wieder mit seiner vollen Kraft von hinten ins Segel blasen und dabei passiert es. Ein Knall und der Spi reist von links nach rechts komplett durch. Etwas geschockt stehen Bernhard, Albi und ich da und sagen erst einmal gar nichts. Es herrscht keine Panik. Nur eine allgemeine Stille. Ist das jetzt wirklich passiert? Und musste eigentlich ausgerechnet ich die am Steuer sein?! Vielen Dank auch lieber Spi! Bernhard, Albi und Joshi ziehen den Spi aus dem Wasser bevor er sich im Kiel verfangen kann und Albi klettert im Anschluss mit einer Leichtigkeit auf den Mast, um die Reste, welche jetzt wie eine Fahne im Masttop rumflattern, zu bergen.

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Albi, unser Held der Stunde, rettet die Reste des Spinnakers.

Nach dem ersten Schock, machen Bernhard und ich uns daran, den Spi wieder zusammen zu nähen. Wir haben keine Ahnung wie das geht. Zudem haben wir natürlich auch nicht die richtigen Materialien. Lediglich ein gewöhnlicher Faden. Aber wir haben Zeit und ein Versuch ist es wert. Wir nähen also ungefähr während drei Stunden und werden kurz vor der Dämmerung fertig. Ich kann Bernhard davon überzeugen den Spi erst am nächsten Tag bei Tageslicht zu hissen, was er dann auch gleich nach dem Aufstehen unternimmt.

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Unsere Naht haben wir im Anschluss noch mit Tape überklebt. Sieht doch gar nicht so schlecht aus, oder?

Der Spi hält zwei Stunden bis unsere Naht das erste Mal wieder aufreisst. Wir bergen den Spi und nähen nach. Anschliessend macht er nochmals eine weitere Stunde, bis er erneut, diesmal aber an einer anderen Stelle, einreist. Wir erlösen den verletzten Spi und müssen nun wohl oder übel akzeptieren, dass die letzten Meilen in die Karibik, dank Leichtwind, etwas länger dauern werden.

Während Bernhard dem Spi nachtrauert, beginne ich die Leichtwindtage zu geniessen. Weniger Wellen bedeutet mehr Leben. Wir haben nun die Möglichkeit mitten auf dem Atlantik ins Wasser zu springen und uns von dem Schiff etwas nachziehen zu lassen. Das Wasser ist erstaunlich warm und glasklar.

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Badespass mitten im Atlantik.

Knapp drei Tage später ist es soweit. Wir sehen Land!!!! Ein komisches Gefühl, nach so langer Zeit wieder etwas am Horizont auszumachen. Wir erkennen Palmen, Strand, farbige Häuser. Endlich in der Karibik. Wir lassen unseren Anker nach 18 Tagen auf See am 15. Februar 2017 auf sandigen Grund  in Saint Francois fallen. Bonjour Guadeloupe!

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Bärni sieht Land!
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Joshi auch 🙂

Liebe Grüsse, mittlerweile aus den Bahamas

Marianne

Und wie immer noch einige Bilder:

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Selfie-Time auf dem Atlantik
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Bärni bei der Arbeit! 
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Jeden Abend werden wir mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt.
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Einer unserer letzten Tage auf See.

 

2 Gedanken zu “Atlantik zum Dritten – der Spi verabschiedet sich

  1. Beatrice Bärfuss 18. April 2017 / 10:00

    Vielen vielen Dank Marianne für Deinen Bericht… wirklich toll, wie Du Euer Abenteuer in Worte fasst! Ich fühlte mich beim Lesen bei Euch… und hätte Euch nur allzu gerne beim Nähen mit einer virtuellen Bernina geholfen 😉…. Geniesst nun die Karibikinseln und die Bahamas 🌴🌴🌞🍦🏝

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    • Marianne Bärfuss-Roth 19. April 2017 / 1:19

      Wir haben dich wirklich vermisst! und zugleich bin ich auch dankbar, dass du unsere schreckliche Naht nicht gesehen hast 😉

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