Atlantik zum Ersten

Es gibt kein zurück. Es ist so weit.

Obwohl die Kanaren noch viel mehr zu bieten hätten, als wir in diesen zwei Wochen sehen konnten, ist es nun an der Zeit die grosse Fahrt über  den Teich anzutreten. Es ist Ende Januar und die meisten Gleichgesinnten sind bereits in der Karibik angekommen oder auf dem Weg. Also ticken unsere Schweizer Uhren – wir wollen da ja nicht etwa zu spät kommen.

Noch in der Schweiz war ich der Meinung, dass wir diese Etappe nur zu zweit oder allenfalls mit ganz engen Freunden segeln sollten. Immerhin ist man über drei Wochen auf engstem Raum und da wünsche ich mir keine unangenehmen Überraschungen. Seit wir uns aber auf der Reise befinden habe ich gelernt etwas flexibler und praktischer zu denken. Und dann in Teneriffa kommt Bernhard mit zwei  „Backpackers?“, „Hippies?“, „Vagabunden?“  (ich wusste nicht genau wo ich sie zuordnen sollte) an. Sie suchen eine Mitfahrgelegenheit über den Atlantik. Ich erfahre, dass sie „Tramper“ sind. Albi ist bereits seit 20 Monaten unterwegs und Joshi ist exakt am selben Wochenende wie wir gestartet. Nach ein wenig Bedenkzeit und ein paar Emails, entschliessen wir uns die beiden mitzunehmen. Vier Personen an Bord bedeuten, weniger Schichten, mehr Schlaf, weniger Kochen, mehr Hände für Manöver, mehr Sicherheit und mehr Abwechslung an Bord.

Kurz nachdem uns Caroline und Lorenz verlassen haben ziehen Albi und Joshi auf der „Jolene“ ein. Nebst ihrem Gepäck haben sie bereits mehrere riesige Säcke an Nahrungsmittel mit dabei und wir erkennen schnell, dass wir auch kulinarisch auf der Atlantiküberquerung etwas erleben werden.

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Dieser Proviant ist mit Joshi und Albi eingezogen. Das reicht doch schon fast für einmal über den Atlantik?!

 

Gemeinsam machen wir uns an die Planung der Proviantierung. Das wichtigste ist das Trinkwasser. Wir rechnen 2l Wasser pro Kopf pro Tag und das für 30 Tage (da man immer etwas Reserve haben sollte – beispielsweise für unvorhergesehene Flauten?). Albi und Joshi machen sich also mit ihrem Freund  Alejandro aus Teneriffa (der glücklicherweise ein Auto besitzt) auf den Weg um 240l Mineralwasser zu kaufen. Gekauft werden 8l Kanister und einige 1.5l Flaschen, welche wir jeweils wieder frisch auffüllen werden. Damit erhoffen wir uns den Abfallberg während den drei Wochen möglichst klein zu halten.

Der Grosseinkauf an Nahrung übernehmen Albi und ich am folgenden Tag zu Fuss!!! Ich habe nicht auf die Uhr geschaut, aber wir verbringen so um die drei Stunden in einem nicht allzu grossen Supermarkt. Wir füllen zwei Einkaufswagen, wovon das Personal uns einen schon fast wieder ausräumt, weil wir ihn irgendwo voll stehengelassen haben. Während ich mich super mit Käse, Chips, Nüssli und Pasta auskenne, punktet Albi mit seinem Wissen von Bio- und ökologisch vertretbaren Lebensmittel (kein Palmöl!). Kurz gesagt, ein super Team.

Die „Jolene“ ist bereit. Die Crew ist in Topform und Proviant ist für ca. 30 Tage oder eher mehr geladen. Jetzt heisst es auf das passende Wetterfenster warten. Gemäss den Wetterprognosen bestimmt Bernhard unsere Abfahrt auf den Samstagmittag. Wir hören noch von zwei weiteren Booten in der Marina, welche ebenfalls am Samstag den Weg über den Atlantik wagen wollen. Ein gutes Zeichen. Als wir dann am Samstag um 13:15Uhr auslaufen, erleben wir ein Abschiedskomitee, dass uns wirklich aus den Socken haut. Alejandro ist nochmal quer über die Insel gefahren, um die beiden zu verabschieden, die ganze Crew von der Hoppet, einem befreundeten Schiff von Albi, ein Schweizer Paar, Lina und Andi, welche an diesem Tag nach zwei Wochen Segelferien die Kanaren wieder verlassen werden und unser Nachbarschiff, die Papillon, ein französisches Paar, welche uns noch in die Karibik folgen werden, alle stehen sie da und winken uns herzlich beim Ablegen zu. Obwohl ich keiner dieser Personen eigentlich kenne, so ist dies ein sehr sentimentaler Moment für mich. Sie stehen heute stellvertretend für Freunde und Familie am Steg und verabschieden uns mit guten Wünschen.

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Auf Wiedersehen – wir verlassen den Hafen San Miguel

Schoten und Fender werden für eine lang Zeit verstaut. Albi und Joshi fragen uns, wo es denn nun eigentlich hingehe. Schwierige Frage. Bernhard hat beim Ausklarieren Barbados angegeben, aber eigentlich sollten wir aus Visa gründen nach Martinique und dann wäre Ende Februar in Antigua noch diese Regatta die Bernhard nicht verpassen möchte. Vielleicht lassen wir dieser Frage noch etwas Zeit….

Liebe Grüsse
Marianne

… und natürlich noch ein paar Impressionen

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Schnipp Schnapp Haare ab. Übrigens hat Bernhard mir ebenfalls die Haare bei ca. 20kt Wind  geschnitten. 
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Zwei Tag vor dem Start, fahren wir kurz aus dem Hafen raus um zu ankern und das Unterwasser zu putzen. 
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Wir sind gestartet. Nun heisst es Segel setzen.
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Der Atlantik begrüsst uns mit einem wunderschönen ersten Sonnenuntergang. 

2 Gedanken zu “Atlantik zum Ersten

  1. Chrigu 24. März 2017 / 21:15

    Eifach ungloublech, was dir erläbet! Warte immer wieder gspannt uf öi Brichterstattig :-).
    Weiterhin viel Rückenwind und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel!
    Liebe Grüsse aus der Schweiz, Chrigu

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  2. Albi 10. April 2017 / 3:55

    Yeah!!! Hab den Bericht eben erst gelesen. Wunderbar 🙂 Das Verabschiedungskomitee war echt der Wahnsinn. Schön beschrieben, Marianne 🙂

    Kein Palmöl!

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