Atlantik zum Zweiten – der Alltag auf See beginnt

Wir sind unterwegs. Teneriffa, deren Lichter wir in der Nacht noch leuchten sahen, ist im Morgengrauen hinter dem Horizont verschwunden. Die Temperaturen sind tagsüber ganz angenehm, in der Nacht jedoch noch etwas kühl.

Der Atlantik empfängt uns mit angenehmen 14 Knoten aus Nordost. Das passt super, da wir zuerst südlich in Richtung Kap Verden steuern und erst anschliessend quasi rechts in die Karibik abbiegen werden. Der Grund für diese Route ist der Passatwindgürtel, welcher sich auf der Höhe der Kap Verden befindet. Natürlich wird bei diesem Kurs und dieser Windstärke der Spinnaker gesetzt und Bernhard kann sich erneut durchsetzen den Spi auch über Nacht stehen zu lassen. Nach zwei Tagen wird der Wind aber zu stark und der Spi wird geborgen. Die Wellen nehmen ebenfalls zu und wir notieren im Log-Buch eine Wellenhöhe von 2m. Die Höhe ist eigentlich gering im Vergleich dazu, was man so auf dem Atlantik antreffen könnte. Da die Wellen jedoch brechen, sind  wir im Cockpit leider nicht mehr zuverlässig vor Nässe geschützt. Eine gute Portion Spritzwasser schafft es sogar durch den Niedergang in den Salon runter. Glücklicherweise müssen wir aber keine Schäden von elektrischen Geräten verzeichnen. Der Schock dauert also nur kurz und wir schliessen ab diesem Zeitpunkt konsequent den Niedergang.

Die Stimmung an Bord ist gut. Es wird gelesen, musiziert, Hörbücher gehört, gekocht, Yoga versucht (war jedoch einfach zu wellig und die Gefahr über Bord zu fallen zu gross) und auch viel erzählt und diskutiert. Wo uns in der Vorbereitungsphase noch etwas die Zeit gefehlt hat, Joshi und Albi richtig kennenzulernen, so hatten wir nun genug Zeit dies nachzuholen. Ihre Berichte über die bis dato erlebten Reisen waren äusserst spannend und fesselnd. Und so gingen die ersten Tage eigentlich ziemlich schnell vorbei. Die Nacht haben wir uns in drei-Stunden-Schichten aufgeteilt, wobei wir nach jedem Tag die Reihenfolge rotierten. Eine Schicht pro Nacht pro Person und neun Stunden Schlaf! Purer Luxus! So kann ich meine Schicht richtig geniessen. Es sind die drei Stunden am Tag, in welchen ich in Ruhe meinen Gedanken nachgehen kann und den Atlantik nur für mich habe. Zu Beginn der Überfahrt ist die Nacht noch stockdunkel, da wir in einer Neumondphase gestartet sind. Und weil in der Nacht meist Wolken aufziehen, ist der Sternenhimmel lediglich punktuell auszumachen. Umso schöner ist es, wenn er zwischendurch aufklart, dann werden wir von Orion, Kassiopeia und dem Wagen begleitet, das fühlt sich irgendwie fast etwas wie zu Hause an. Das Highlight in den ersten Nachschichten ist jedoch das Plankton. Das Glitzern und Blitzen, welches durch die Reaktion entsteht, wenn wir mit unserem Schiff durch das Wasser gleiten ist einmalig. In einer Nachtschicht werde ich beinahe über eine Stunde von Delphinen begleitet. Ich setzte mich auf den Bug Korb und singe ihnen ein Mantra vor. Wahrscheinlich ist es nur Einbildung, aber ich habe das Gefühl, dass die Delphine die Aufmerksamkeit geniessen. Immer wieder gleiten sie unter dem Bug durch, drehen sich seitlich und auf den Rücken, springen kurz aus dem Wasser, schwimmen weg und kehren gleich wieder zurück. Mein neues Lieblingstier: Delphin. Da ich nicht weiss, ob die Delphine die Töne geniessen, getraue ich mich nicht damit aufzuhören, bis ich nach fast einer Stunde langsam heiser werde und der Stimme zu liebe meinen Gesang unterbreche. Die Delphine verabschieden sich und schwimmen fort.

Es vergeht ein Tag nach dem anderen und es  lässt sich nicht bestreiten, dass nach einiger Zeit auf hoher See eine gewisse Eintönigkeit aufkommt. Wir sind also für jede kleine Abwechslung dankbar. Hier eine kleine Auflistung

  • Ein kleiner Tintenfisch verirrt sich an Bord. Wir benutzen ihn als echten Köder für unsere Angelschnur. Leider wieder ohne Erfolg. Zudem hat der sich so extrem an der Leine gedreht, dass die Angelschnur nicht mehr zu retten ist. Da ich nichts anderes zu tun habe, versuche ich fast zwei Stunden noch die Schnur zu entfädeln und nehme es als Geduldsprüfung. Sie wird leider nicht bestanden und die Schnur wanderte in den Müll. Das war auf dem Atlantik unser letzter Angelversuch – ich hatte die Nase voll…..
  • Bernhard findet es lustig Herr über die Zeit zu sein und bestimmt jeweils, wann wir die Bordzeit eine Stunde zurückstellen sollen. Dieses Privileg darf er viermal ausüben, da die Karibik ja UTC-4 ist. Aktuell sind wir also minus sechs gegenüber der Schweiz, da mittlerweile im alten Europa auf Sommerzeit umgestellt wurde.
  • Mitten auf dem Atlantik treffen wir auf einmal gleich zwei Segelboote. Bernhard übernimmt das Steuer, damit wir die maximale Geschwindigkeit erlangen um sie aufzuholen. Dann führen wir ein nettes kurzes Gespräch via Funk. Anschliessend lassen wir die Boote hinter uns. Die Crew ist in Topform und die Stimmung auf dem Höhepunkt. Es wird zu Bravohits aus den 90er getanzt. Zum Glück ist es dunkel….
  • Ab Tag 8 treten die fliegenden Fische in unser Leben. Da wir zu Beginn noch nicht wussten, dass diese durch Licht angezogen werden, bereicherten sie unerwartet unser Abendessen draussen im Cockpit. Einer flog Bernhard, dem Fischliebhaber, direkt in den Nacken. Wir versuchen die zappligen glitschigen Dinger über Bord zu werfen und damit zu retten. Der penetrante Fischgeruch bringt man allerdings fast nicht mehr von den Händen und die Rettung missglückt leider meist.

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    Leider nicht mehr fliegender Fisch
  • Joshi feiert am 7.Februar seinen 19. Geburtstag. Zu diesem Feiertag wird ein Schokoladenkuchen gebacken und natürlich gefeiert.

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    Backe, backe Kuchen…..
  • Weil es jetzt unter Deck immer heisser wird, sollte das Schiff auch ein bisschen gelüftet werden. Während Bernhard und ich schlafen und der Autopilot mal wieder ein bisschen zu stark anluvt, findet Salzwasser den Weg durch unsere Dachluke. Na, vielen Dank! Gesalzene Matratze!

 

In meinem nächsten Bericht, „Atlantik zum Dritten – der Spi verabschiedet sich“, werde ich euch  erzählen, wie wir trotz Leichtwind, und ohne Leichtwindsegel die Karibik doch noch erreichen konnten.

Liebe Grüsse

Marianne

P.S. Die Stelle als Wassertankdeckel ist seit dem Atlantik wieder offen. Bewerbungen nehmen wir gerne unter marianne.v.roth(at)gmail.com entgegen. Erfahrung ist von Vorteil. Wir streben eine lange und loyale Partnerschaft an. Wir freuen uns auf dich!

Impressionen

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Wichtig beim Kochen: schulterbreiter Stand
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Sonnenuntergänge sind natürlich immer schöne Fotomotive
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Leben im Cockpit. Die Stimmung ist gut.
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Zwischendurch wird sogar gesteuert.
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Vom Neumond zum Vollmond. Ein schöner Wandel!

Atlantik zum Ersten

Es gibt kein zurück. Es ist so weit.

Obwohl die Kanaren noch viel mehr zu bieten hätten, als wir in diesen zwei Wochen sehen konnten, ist es nun an der Zeit die grosse Fahrt über  den Teich anzutreten. Es ist Ende Januar und die meisten Gleichgesinnten sind bereits in der Karibik angekommen oder auf dem Weg. Also ticken unsere Schweizer Uhren – wir wollen da ja nicht etwa zu spät kommen.

Noch in der Schweiz war ich der Meinung, dass wir diese Etappe nur zu zweit oder allenfalls mit ganz engen Freunden segeln sollten. Immerhin ist man über drei Wochen auf engstem Raum und da wünsche ich mir keine unangenehmen Überraschungen. Seit wir uns aber auf der Reise befinden habe ich gelernt etwas flexibler und praktischer zu denken. Und dann in Teneriffa kommt Bernhard mit zwei  „Backpackers?“, „Hippies?“, „Vagabunden?“  (ich wusste nicht genau wo ich sie zuordnen sollte) an. Sie suchen eine Mitfahrgelegenheit über den Atlantik. Ich erfahre, dass sie „Tramper“ sind. Albi ist bereits seit 20 Monaten unterwegs und Joshi ist exakt am selben Wochenende wie wir gestartet. Nach ein wenig Bedenkzeit und ein paar Emails, entschliessen wir uns die beiden mitzunehmen. Vier Personen an Bord bedeuten, weniger Schichten, mehr Schlaf, weniger Kochen, mehr Hände für Manöver, mehr Sicherheit und mehr Abwechslung an Bord.

Kurz nachdem uns Caroline und Lorenz verlassen haben ziehen Albi und Joshi auf der „Jolene“ ein. Nebst ihrem Gepäck haben sie bereits mehrere riesige Säcke an Nahrungsmittel mit dabei und wir erkennen schnell, dass wir auch kulinarisch auf der Atlantiküberquerung etwas erleben werden.

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Dieser Proviant ist mit Joshi und Albi eingezogen. Das reicht doch schon fast für einmal über den Atlantik?!

 

Gemeinsam machen wir uns an die Planung der Proviantierung. Das wichtigste ist das Trinkwasser. Wir rechnen 2l Wasser pro Kopf pro Tag und das für 30 Tage (da man immer etwas Reserve haben sollte – beispielsweise für unvorhergesehene Flauten?). Albi und Joshi machen sich also mit ihrem Freund  Alejandro aus Teneriffa (der glücklicherweise ein Auto besitzt) auf den Weg um 240l Mineralwasser zu kaufen. Gekauft werden 8l Kanister und einige 1.5l Flaschen, welche wir jeweils wieder frisch auffüllen werden. Damit erhoffen wir uns den Abfallberg während den drei Wochen möglichst klein zu halten.

Der Grosseinkauf an Nahrung übernehmen Albi und ich am folgenden Tag zu Fuss!!! Ich habe nicht auf die Uhr geschaut, aber wir verbringen so um die drei Stunden in einem nicht allzu grossen Supermarkt. Wir füllen zwei Einkaufswagen, wovon das Personal uns einen schon fast wieder ausräumt, weil wir ihn irgendwo voll stehengelassen haben. Während ich mich super mit Käse, Chips, Nüssli und Pasta auskenne, punktet Albi mit seinem Wissen von Bio- und ökologisch vertretbaren Lebensmittel (kein Palmöl!). Kurz gesagt, ein super Team.

Die „Jolene“ ist bereit. Die Crew ist in Topform und Proviant ist für ca. 30 Tage oder eher mehr geladen. Jetzt heisst es auf das passende Wetterfenster warten. Gemäss den Wetterprognosen bestimmt Bernhard unsere Abfahrt auf den Samstagmittag. Wir hören noch von zwei weiteren Booten in der Marina, welche ebenfalls am Samstag den Weg über den Atlantik wagen wollen. Ein gutes Zeichen. Als wir dann am Samstag um 13:15Uhr auslaufen, erleben wir ein Abschiedskomitee, dass uns wirklich aus den Socken haut. Alejandro ist nochmal quer über die Insel gefahren, um die beiden zu verabschieden, die ganze Crew von der Hoppet, einem befreundeten Schiff von Albi, ein Schweizer Paar, Lina und Andi, welche an diesem Tag nach zwei Wochen Segelferien die Kanaren wieder verlassen werden und unser Nachbarschiff, die Papillon, ein französisches Paar, welche uns noch in die Karibik folgen werden, alle stehen sie da und winken uns herzlich beim Ablegen zu. Obwohl ich keiner dieser Personen eigentlich kenne, so ist dies ein sehr sentimentaler Moment für mich. Sie stehen heute stellvertretend für Freunde und Familie am Steg und verabschieden uns mit guten Wünschen.

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Auf Wiedersehen – wir verlassen den Hafen San Miguel

Schoten und Fender werden für eine lang Zeit verstaut. Albi und Joshi fragen uns, wo es denn nun eigentlich hingehe. Schwierige Frage. Bernhard hat beim Ausklarieren Barbados angegeben, aber eigentlich sollten wir aus Visa gründen nach Martinique und dann wäre Ende Februar in Antigua noch diese Regatta die Bernhard nicht verpassen möchte. Vielleicht lassen wir dieser Frage noch etwas Zeit….

Liebe Grüsse
Marianne

… und natürlich noch ein paar Impressionen

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Schnipp Schnapp Haare ab. Übrigens hat Bernhard mir ebenfalls die Haare bei ca. 20kt Wind  geschnitten. 
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Zwei Tag vor dem Start, fahren wir kurz aus dem Hafen raus um zu ankern und das Unterwasser zu putzen. 
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Wir sind gestartet. Nun heisst es Segel setzen.
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Der Atlantik begrüsst uns mit einem wunderschönen ersten Sonnenuntergang. 

Von Gibraltar nach Teneriffa

Wir verabschieden uns von Gibraltar und sind bereit das Festland für eine unbestimmte Zeit zu verlassen. Ich wünsche mir den Wind aus der richtigen Richtung, wenig Wellen und möglichst kein Gewitter. Ob das in Erfüllung ging?

Am Samstag, 7. Januar 2017, steht das erweiterte „Team Jolene“ bestehend aus Bernhard, Lorenz und Marianne bereit für die Fahrt in den Atlantik. Kurz vor Abfahrt besprechen wir unsere geplante Route noch mit einem deutschen Paar, welches ebenfalls am selben Tag in Richtung Kanaren startet. Sie sind mit einem Luxus-Fahrtenschiff unterwegs, welches mit 800l Dieseltank und Watermaker bestens für lange Schläge ausgerüstet ist. Zudem kriegen sie von einem deutschen Meteounternehmen jeden Tag zweimal die Wetterdaten als GRIB-File zugesandt mit einer persönlichen Kursempfehlung. Sie wollen nur kurz in den Gran Canaria verweilen, die Motorwellendichtung ersetzten und anschliessend möglichst rasch über den Atlantik. Seit Sommer sind sie unterwegs und haben ein Jahr zuvor all ihre Ferien für die Arbeiten am Schiff verwendet. Der Traum der Langfahrt scheint bei ihnen schon vor dem Verlassen des Mittelmeeres erste Erschöpfungsspuren hinterlassen zu haben. Ständig gehe etwas kaputt. Im Moment funktioniert ihr Gaskocher nicht. Erneut bin ich dem merkwürdigen Typen für seine überteuerte Gasflasche dankbar! Zugegeben, auch bei uns gibt es immer wieder so „Erschöpfungsmomente“. Dadurch, dass sich Bernhard zum Allrounder für verschiedenste  Reparaturen entwickelt hat, sind die Schäden jedoch meist nicht so tragisch. Aber das Suchen nach Ersatzteilen und damit das ständige „ship-chandler“ abklappern, kann schon etwas nerven. Im Moment stehen allerdings keine Reparaturen an und die Reise in Richtung Sonne, Sand und Strand kann weiter gehen.

Um 14:15 heisst es Leinen los. Auf Grund von Wind, Strömung und Wellen haben wir uns dazu entschlossen, zuerst einmal die Strasse von Gibraltar zu durchqueren und anschliessend an der  Marokkanischen Küste Kurs in Richtung Westen zu nehmen. Die Strasse von Gibraltar ist sehr beeindruckend. Die Wellen kommen zuerst zwar etwas mühsam von der Seite und sorgen für ein mulmiges Gefühl in der Magengegend, aber all die Frachtschiffe, Tanker, Kreuzfahrtschiffe und Fähren sorgen für viel Spannung. Vor allem die Fähren kreuzen uns sehr nah. Wir fühlen uns mit dem AIS aber sicher, zudem ist ja auch Tag und die Sicht einwandfrei. Mitten auf der „Strasse“ besuchen uns auch noch Delphine. Wer jedoch bei diesen Wellen aufs Vorschiff will riskiert gewaltig Nass zu werden (gell Lorenz ;-)).

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Strasse von Gibraltar

Da die Wetterprognosen an der Westküste Afrikas sehr starken Wind prognostizieren, steuern wir lange nach Westen in den Atlantik bevor wir dann Kurs auf Teneriffa aufnehmen. Fünf Nächte sind wir letztendlich unterwegs. Gesegelt sind wir entweder mit der ausgebaumten Genua oder mit dem Spinnaker. Das Grosssegel haben wir während dieser Überfahrt nicht angerührt. Die Windrichtung war konstant von hinten, Ost bis Nordost. Wie ich bereits im letzten Bericht vorweggenommen habe, blieben unsere Angelversuche ohne Erfolg. Zum Glück hatten wir noch Schweinsfilet im Kühlschrank. Mindestens einer an Bord war nicht ganz traurig darüber.

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Spinnaker-Segeln

Bis zum dritten Tag hatten wir ungefähr um die 14 Knoten Wind. Wunderbar für den Spinnaker. Sogar über Nacht hatten wir den Spinnaker gesetzt, was mich jeweils weniger freute. Als dann der Wind in Richtung 20 Knoten anstieg, haben wir den Spi in einer Notfallübung geborgen. Lorenz und ich waren gerade dabei das Schweinsfilet und Beilagen zuzubereiten, als Bernhard das Kommando zum Spi bergen in den Salon runter gab. In Windeseile versuchten wir alles einigermassen Wellenfest zu verstauen, damit wir nach dem  Manöver nicht ein Schlachtfeld von herumgeflogenem Essen antreffen werden und eilten auf Deck. Es war bereits dunkel. Bernhard und Lorenz zogen auf dem Vorschiff den Spi aufs Deck, während ich hinten das Fall und die Schoten bediente. Unglaublich wieviel Kraft der Wind in so ein Segel bringt. Es war nicht einfach den Spi schnell einzuholen und die beiden mussten sich einerseits bemühen den Spi nicht loszulassen und andererseits verhindern vom Spi über Bord gezogen zu werden. Ein fürchterlicher Anblick für mich. Und vielen, vielen Dank Lorenz, dass du da warst. Wie hätte das zu zweit ausgesehen? Nun wisst ihr auch warum ich nicht so gerne Spinnaker bei Nacht segle. Nimmt der Wind stark zu, muss die ganze Mannschaft geweckt werden und ein kräftezehrendes Manöver beginnt. Glücklicherweise wieder einmal Happy End und wir konnten das Kochen fortsetzen.

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Regenbogenstreifen vor der Marokkanischen Küste.

Mit der Zunahme des Windes wurden aber leider auch die Wellen grösser und wir wurden für die letzten zwei Tage ziemlich durchgeschaukelt. Bernhard und ich denken dasselbe. Atlantiküberquerung. Werden wir so drei Wochen verbringen müssen? Aufstehen, der Gang zur Toilette, Kochen, einfach nur Gehen, alles ist irrsinnig anstrengend wenn es so hin und her rollt. Dafür machen wir zumindest mächtig Fahrt und müssen bis der Wind kurz vor Teneriffa einschläft auf der ganzen Überfahrt nicht motoren. Wirklich ein ideales Wetterfenster, welches wir da erwischt haben. Als ich am 12. Januar um 4:00 Uhr meine Schicht antrete, sehe ich bereits das Leuchtfeuer von Punta de Roque, der Nordspitze Teneriffas. LAND! Im Moment ist bei mir das Segeln, also der Weg, nicht das Ziel, sondern das Ziel ist das Ziel! Es geht ums Ankommen. Vielleicht werde ich das im Rückblick an unsere Reise anders sehen, mal abwarten. Aber nach langem wieder Land zu sehen und letztendlich das Schiff irgendwo festzumachen ist ein besonderer Augenblick.

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Nordküste Teneriffas

Nach all der Hektik durch das Mittelmeer wartet nun eine Woche pure Segelferien auf uns. Caroline, die Freundin von Lorenz, erweitert ab dem 14. Januar unsere Crew und wir segeln fast rund um Teneriffa. Wir geniessen die Zeit zu viert, die Sonne, das Leben. Nur fürs Baden ist es noch eine Spur zu kühl. Am liebsten würden wir die zwei ja gleich mit über den Atlantik nehmen, doch der Alltag in der Schweiz ruft sie zurück und so müssen wir uns eine Woche später wieder von ihnen verabschieden. Danke, dass ihr da wart!

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Endlich einmal wieder Wandern! Hier in der Nähe von La Laguna im Norden Teneriffas.

Warum haben wir uns eigentlich ausgerechnet Teneriffa von den kanarischen Inseln ausgesucht?! Ganz einfach: ich kenne da jemanden! Isabelle, eine Freundin aus meiner Zeit auf der Bank, ist nach Los Cristianos ausgewandert. Das finde ich sehr beeindruckend und somit hatte ich grosse Lust sie auf unserer Reise gleich zu besuchen. Wir sind sogar kurz zu viert eine kleine Runde auf der Jolene gesegelt. Zudem haben uns Isabelle und ihr kubanischer Freund Darell vor der Atlantiküberquerung noch beim Kleiderwaschen unterstützt. Etwas einfaches, was aber auf einer Reise manchmal unglaublich mühsam sein kann. Vielen Dank euch zwei, es hat uns sehr Spass gemacht euch zu treffen!

Ihr wollt endlich wissen wie die Atlantiküberquerung war? Coming soon… 🙂

Liebe Grüsse

Marianne

Fotos, Fotos, Fotos..

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Beim Segeln eine adrette Frisur zu halten ist nicht immer einfach…
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Lorenz bei seinem alltäglichen Fotografieren des Sonnenuntergangs.
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Bernhard und Lorenz auf dem Weg Caroline vom Flughafen abzuholen
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Segeln mit Caroline und Lorenz
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Sprung ins kühle Wasser
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Teneriffa ist auch bekannt für whale watching. Wir sind den Touristen-Booten nachgefahren und sind tatsächlich auf eine Gruppe Grindwale gestossen.
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Caroline im „Top of Jolene“ Aussichtspunkt. Respekt!