Jolene strahlt und glänzt

Vier Wochen verweilen wir in Fiumicino. Ein Monat im Stillstand? Nicht ganz. Obwohl wir kaum Logbucheinträge für den November schreiben, befassen wir uns doch intensiv mit unserem Schiff.

Warum haben wir uns aber überhaupt Fiumicino ausgesucht, um  „Jolene“ wieder fit zu machen? In Fiumicino befindet sich die Werft Comar, welche unser Schiff gebaut hat. Comar ist eher eine kleine Werft und wohl nur wenigen bekannt. Der Betrieb macht beinahe einen familiären Eindruck und bietet uns daher die Chance mit ihnen gemeinsam das Schiff unter die Lupe zu nehmen.

Nachdem wir mit der Unterstützung von Bernhards Eltern die ersten Kontakte zur Werft geknüpft haben,  können die Arbeiten auch schon beginnen. Aber was wäre es auch langweilig, wenn nicht irgendwo noch ein Risiko oder eine Ungewissheit dazwischen käme… Für die Arbeiten müssen wir unser Schiff nämlich einen Seitenkanal des Tibers rauf fahren. Grundsätzlich kein Problem. Dabei müssen wir unter zwei Zugbrücken (nicht Eisenbahnbrücken;-) durch, die jeweils am Dienstag und Freitag zur Durchfahrt öffnen. Auch kein Problem. Nun will die Stadt aber eine dieser Brücken renovieren. Das Material liegt schon seit geraumer Zeit neben der Brücke und wartet darauf, dass der Startschuss fällt. Das ist ein Problem. Sobald die Arbeiten beginnen, wird die Brücke für einige Monate nicht mehr öffnen können. Was nun wenn wir zu diesem Zeitpunkt die Werft oben im Fluss noch nicht verlassen haben? Die Aussagen über das Projekt „Brückenerneuerung“ sind unterschiedlich. Einige behaupten, das könne jederzeit losgehen, andere meinen, dass die Stadtverwaltung dies schon vorher noch kommunizieren würde. Wir hoffen auf letzteres und verschieben „Jolene“.

Die Arbeiten gehen zu Beginn schnell voran. Die Relingstützen werden repariert, die Rudersteuerung kontrolliert und geschmiert, der leckend Wassertank wird wieder dicht gemacht, Bernhard montiert den Wind- und Schleppgenerator in zwei Nächten (wieso sollte man dies auch bei Tageslicht tun….). Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Da das Werftgelände auch eine Art „do-it-your-self area“ ist, können wir selbst am Schiff arbeiten und nur dort Hilfe dazu holen, wo wir diese benötigen.

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Der reparierte Wassertank wird wieder eingebaut.

Die Krönung unserer Investitionen in Fiumicino ist aber ein Automatic Identification System, kurz AIS. Dank ihm erkennen wir nun auf unserem Plotter (eine Art Navi fürs Schiff) die Schiffe in unserer Umgebung und können ihre detaillierten Daten, wie den Namen, die Fahrtgeschwindigkeit, den Kurs, die Länge etc. erfahren. Gleiches sehen diese auch von uns. Natürlich betrifft dies nur die Schiffe, welche alle ebenfalls ein AIS installiert haben. Kleinere Freizeitfischer erkennen wir also nicht. Für die Berufsschifffahrt ist es allerdings obligatorisch. Der aufmerksame Follower unter euch, hat vielleicht schon bemerkt, dass in dem Menü Punkt  „unsere Route“  unter „aktuelle Position“  neu ein Link aufgeschaltet ist. Hier könnt ihr nun jeweils unseren Standort finden, ohne dass wir ihn jeweils selber anpassen müssen. Sobald ein grösseres Schiff uns kreuzt oder unserer Positionssignale von einer Landstation empfangen werden, wird unser Standort im Vessel Finder aktualisiert.

Ein Highlight in Fiumicino waren natürlich die Besuche aus der Schweiz! Bernhards Eltern nahmen den langen Weg mit dem Auto auf sich, um uns unser restliches Gepäck zu bringen. Meine Eltern kamen eine Woche später mit dem Zug und eine weitere Woche später kam Sarah mit dem Flieger und hatte spontan auch noch Heidi im Gepäck. Vielen Dank, dass ihr alle gekommen seid. Während Bernhard sich nämlich wunderbar mit anderen Herren in der Werft über Technik, Boote und Materialen unterhalten kann, fehlt mir teilweise der Austausch etwas. Im Winter halten sich einfach kaum Frauen im Mittelmeer auf. Lediglich bei den sanitären Anlagen hat dies auch Vorteile 🙂

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Sightseeing in Rom

Nach vier Wochen Werft-Aufenthalt spüren wir, wie uns die Trägheit eines Alltages überkommt und wir beschliessen auf- und loszubrechen. Nun aber definitiv ab in Richtung Wärme. Das winterliche Mittelmeer hat es nämlich in sich und wir freuen uns schon auf unser nächstes Etappenziel, die Kanaren!

Hoffentlich macht uns die Brücke den Weg frei!?!

Marianne

Noch ein paar weitere Impressionen

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Der praktische Handwerker lässt sich vom Kran auf den Mast befördern.

 

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Nutrias!!!!!! Anstatt Delphine gibt es in der Werft Nagetiere zu bestaunen.

 

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Das Forum Romanum im Abendlicht