Von Gouvia nach Reggio di Calabria

Ein Traum – ein Schiff – eine Vollzeitstelle
Wer sich vorstellt, dass wir im Moment gemütlich über das Meer schippern, ab und zu etwas Sightseeing machen und  in einer italienischen Pizzeria den mediterranen Abend geniessen, der hat leider verfehlt. Aber vielleicht kommt das ja noch…. 

Während Bärni diesmal einem Frischwasserschlauch nachjagt, sitze ich am mit Werkzeug überladenen Esstisch und nutze die freie Zeit euch wieder ein paar Zeilen zu schreiben.
Wir mussten gestern um Mitternacht unsere Pläne spontan ändern und sind nun den dritten Tag hier in Reggio di Calabria. Die Alternative wäre gewesen, komplett ohne Frischwasser nach Fiumicino weiterzufahren, was dann doch etwas unpraktisch geworden wäre. Das Problem: Der Schlauch unserer Wasserpumpe führt zu nahe an dem Motor vorbei. Durch die Vibrationen hat der Schlauch Reibungen erhalten und wurde undicht. Er muss also ersetzt werden und neu (und besser!) eingebaut werden.

Überraschend sind solche, plötzlich auftretende Notfälle eigentlich nicht mehr. Nach drei Wochen gehören sie schon fast zur täglichen Routine und ich könnte euch eine lange Liste mit unternommenen Reparaturen sowie die noch zu erledigenden Arbeiten niederschreiben.
Sobald ein Schiff bewegt und genutzt wird kommen die Mängel zum Vorschein. Unsere „Jolene“ hat wohl, bis wir sie unter unsere Fittiche genommen haben, ein trauriges Hafendasein gelebt. Wir führen während dem Segeln aber konsequent eine To-Do-Liste und werden sie so wieder zu dem „Cruiser/Racer“ machen, zu welchem sie gebaut wurde.

So findet man in Italien die Ersatzteile
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Zur selben Zeit am selben Ort, lediglich 100 Meter entfernt, haben andere Leute andere Probleme. Vor wenigen Stunden ist hier ein Boot der Ärzte ohne Grenzen mit Flüchtlingen angekommen. Seit früh morgens werden diese nun registriert und vermutlich zu verschiedene Unterkünften geschickt. Dazu stehen mindestens zehn Busse bereit. Das Prozedere zieht sich über den ganzen Tag hin. Es sind vorwiegend junge Männer aus Afrika. Um aus dem Hafengelände zu gelangen gehen wir am Nachmittag neben dem Geschehen vorbei. Es ist ein komisches Gefühl. Die Flüchtlinge sitzen in Einheitskleidern im Schatten, es wird kaum gesprochen, der gesamte Hafen ist voller Polizei und es wird kontrolliert, wer den Hafen betritt oder verlässt. Am anderen Ende des Hafengeländes befindet sich eine Asylunterkunft. Die dort wohnhaften Asylsuchenden nähern sich den angekommenen Flüchtlingen. Erwarten sie vielleicht dort jemanden zu kennen? In meiner Fantasie male ich mir herzzerreissende Szenen aus, jedoch scheint alles so ruhig und von allen Beteiligten inklusive den Flüchtigen fast etwas „emotionslos“ über die Bühne zu gehen. Traurig aber wahr, scheint dies hier wohl einfach zum Alltag zu gehören.

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Vorwarnung: Entschuldigt den abrupten Themawechsel…..

Wie ging es bei uns weiter nach Gouvia? 
Nach unserer Blitzgewitter-Nacht wollten wir die nächsten Schläge etwas ruhiger angehen. Daher entschieden wir uns, nach unserem Aufenthalt auf Korfu, eine Nacht auf Erikoussa zu verbringen, um die Strecke zurück nach Italien etwas zu unterteilen. Erikoussa war uns nicht wirklich gut gesinnt. Nachdem wir bereits beim Ankern Probleme mit der Ankerwinchfernbedienung hatten, so stieg uns dort am frühen Morgen auch noch die Toilette aus. Dies passiert natürlich immer im unangenehmsten Moment, aber keine weiteren Details…. Auf uns wartete ein Tag mit viel Wind, hohen Wellen und keiner Toilette für die dritte und damit letzte Adriaüberquerung. Wir starteten ca. um 8 Uhr morgens und kamen völlig erschöpft um 17:00 Uhr in Santa Maria di Leuca an.

Ankunft in Leuca. Die Energie reichte noch gerade für eine Take Away Pizza!
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Von Leuca ging es weiter nach Crotone, wo wir meinen Geburtstag feierten. Es freute mich riesig genau zu diesem Zeitpunkt in dem Ort zu sein, wo Pythagoras mit seinen Pythagoreern über 30 Jahre gelebt, gelehrt, musiziert und philosophiert hat. Nach einer kleinen Recherche fand ich auch heraus, dass es ein Museum zu Ehren Pythagoras gibt. Dies war der erste „Freizeitausflug“ von Bärni und mir seit wir unsere Reise gestartet haben. Der Park des Museums beherbergt neben einer riesigen Eisenplastik des Pythagorasbaumes, Skulpturen des Pascalschen Dreiecks,  der Platonischen Körper und vieles mehr… Der Zustand der Anlage ist aber fragwürdig. Wir waren wohl seit einer Ewigkeit die ersten Besucher, welche sich für diesen Park interessierten. Überall lag Müll herum, die Plastiken wurden mit unschönen Sprayereien verunstaltet und die Fibonacci-Folge wurde durch das Fehlen von Steinen verfälscht. Die grösste Tragödie in diesem Park, ist jedoch das Museumsgebäude. In einem Design-Wettbewerb 2011 ausgeschrieben wurde es für ungefähr drei Millionen Euro erbaut. Ob es je einmal eröffnet wurde, daran wage ich zu zweifeln. Wenn man von draussen durch die Scheiben sieht, dann liegen immer noch Werkzeuge herum. Kurz gesagt, das Museum und seine Anlage interessieren hier niemanden! Da wäre das Geld wohl in einem sozialen Projekt besser angelegt gewesen.

Die Steine waren mir leider zu schwer, um die Fibonacci-Folge wieder in die gewohnte Harmonie zu legen.
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Nach zwei Nächten haben wir Crotone wieder verlassen und haben in Roccella Ionica angelegt. Aufgrund der zeitlich begrenzt günstigen Windprognosen mussten wir jedoch am nächsten morgen früh gleich wieder aufbrechen und hatten keine Gelegenheit einen Eindruck dieses Ortes zu erhalten. Da es nach Roccella, für weite Strecken keine Marina oder Ankerbucht gibt, sind wir gleich bis Reggio di Calabria durchgefahren. Morgen soll es weiter gehen nach Tropea und wenn es weiterhin so läuft, dann werden wir bald schon unser nächstes Etappenziel, Fiumicino, erreichen.

Auf geht’s „Jolene“!

Liebe Grüsse aus Italien
Marianne

 

Und noch ein paar weitere Eindrücke
Erikoussa hatte auch sehr schöne Seiten!
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Bärni vermisst seinen Spinnaker- Baum. Hoffentlich werden wir in Fiumicino fündig, ansonsten wird es hart, diese Position über den Atlantik durchzuhalten.
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Ich habe etwas euphorisch Früchte und Gemüse gekauft. Ich hoffe sie halten eine Weile durch!
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Unser Schiffsalltag
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Selfie-Time
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4 Gedanken zu “Von Gouvia nach Reggio di Calabria

  1. Ruedi 23. Oktober 2016 / 23:09

    Ganz schön abenteuerlich bisher. Aber wir sind stolz auf Euch. When the going gets tough, the tough get going! Schade, dass auf der Jolene offenbar einige technische Probleme zum Vorschein kommen, nach langem Stillstand. Das Gute ist, dass man das Schiff nach einigen Reparaturen immer besser kennt und fortlaufend verbessert. Wir denken oft an Euch und drücken weiterhin die Daumen. Ruedi

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  2. Beatrice Bärfuss 23. Oktober 2016 / 23:15

    Vielen Dank für den Etappenbericht von der griechischen Westküste über die Adria zum Absatz und weiter zur Fussspitze Italiens! Bin überzeugt, Jolenes Zustand bessert sich von Tag zu Tag… Freue mich auf das baldige Wiedersehen!

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  3. Heidi 25. Oktober 2016 / 8:27

    Und endlich folgt ein Kommentar von mir.. 😉 Sorry Marianne für die Verspätung. Habe ich mich doch schon super frühzeitig als Follower angemeldet und nun dank Sarah erfahren, dass dies scheinbar (noch) nicht geklappt hat und du bereits einige Beiträge gepostet hast…. Jetzt aber!
    1. Die grünen Partner-Jacken sehen spitze aus! Da lacht einem auch optisch ein 1A Team entgegen 🙂
    Und der Bericht vom nächtlichen Blitzgewitter – Das war sicher gar nicht lustig!
    Ihr habt ja schon so einiges erlebt, und dies in nur 3 Wochen! Ich hoffe sehr, dass es langsam etwas ruhiger wird und ihr anfangen könnt, die Reise wirklich auch zu geniessen und du auch mal die Staffelei und Sitzkissen für längere Zeit rausholen kannst. Irgendwie kam mir beim Lesen dieser Geschichte spontan Schweden in den Sinn.. Von wegen romantische Vorstellungen und so… 🙂
    Freue mich, wieder von euch zu hören, häbet Sorg! Vermisse nech!
    Heidi

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    • Marianne Bärfuss-Roth 14. November 2016 / 20:54

      Hey Heidi!
      Tja die Verbindungen ins Oberland sind halt immer etwas länger 😉
      Ich denke auch oft an unsere Kanu-Fahrt und kann doch einige Parallelen ziehen.
      Das war halt eine Lebensschule!
      Liebe Grüsse, Marianne
      P.S. bin bald mit deinem Buch durch – ist super spannend!

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