Jamas! Von Trogir nach Korfu

vorgeschmack-auf-die-barfussroute

Nun sind wir bereits eine Woche unterwegs. Und einmal glaubten wir doch tatsächlich auf der Barfussroute angekommen zu sein. Doch weit verfehlt, das Mittelmeer zeigte sich uns von seiner unschönen Seite.

Aber alles der Reihe nach. Nachdem wir Trogir verlassen haben, segelten wir nach Brna, ein kleines Städtchen im Süden der Insel Korcula wo wir die Nacht verbrachten. Wir konnten dort am Pier festmachen. Mooring und sanitäre Anlagen gab es keine, trotzdem wollte der etwas gestresste „Marine Officer“ stolze 328 Kuna, was doch beinahe CHF 50.00 sind. Kroatien ist für Segler einfach ein wirklich teures Pflaster. Wenn wir mit unserem Budget um die Welt kommen wollen, müssen wir Kroatien wohl bald verlassen…

Jolene am Pier von Brna:
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Tanken in Dubrovnik… eine weitere lange Geschichte… diese aber vielleicht einmal mündlich:
tanken-in-dubrovnik

Gesagt getan, nach einem kurzen Aufenthalt in Dubrovnik, leider ohne Stadtbesichtigung – Schande! -,  war der Wind so gut, dass es uns direkt nach Bella Italia geblasen hat. Eine Nachtfahrt unter wunderschönstem Sternenhimmel und im Schnitt sieben Knoten Fahrt. Sieben Knoten  Durchschnittsgeschwindigkeit ist übrigens für eine Yacht wie die unsere eine super Leistung. Umgerechnet sind es ca. 13 km/h. Für alle Nicht-Segler: Bevor ihr jetzt lacht, solltet ihr diese Geschwindigkeit auf dem Wasser einmal erlebt haben. Es ist wirklich ganz schön schnell! Echt! Etwas erschöpft aber stolz und zufrieden sind wir in Brindisi angekommen. Auch dort haben wir am Pier festgemacht. Im Oktober interessiert es dort allerdings Niemanden mehr und wir durften umsonst parkieren. Unsere Jolene, eine Comar Genesi 43, gebaut in Italien (Fiumicino) ist nun also wieder in der Heimat. Da ist es auch nicht erstaunlich, dass wir unglaublich viele Komplimente für unser Schiff erhalten haben und uns jeder gleich auf Italienisch ansprach. Leider können wir beide nur  äusserst oberflächliche Sätze. Aber wir gaben unser Bestes. Als ich Bärni dann auch noch in den Mast hoch zog und er dort in 10m Höhe den Lazy Jack reparierte, erhielten wir sogar Applaus! Was für ein Land!!! Zu schade, dass wir es bereits wieder verlassen mussten, aber wir wissen ja zum Glück, dass wir nochmals nach Italien zurückkehren werden.

Unsere Zirkusvorstellung:
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So nun kommt der Moment, wo wir dachten auf der Barfussroute angekommen zu sein. Ein wunderschöner Wind, lediglich kleine Wellen, Sonnenschein, Wärme… Genau so habe ich mir das vorgestellt. Weils so schön ist, beginne ich das Boot auf „Bequem Kurs“ einzurichten. Ich decke das Cockpit mit den passenden Kissen ab und hole den Aquarellkasten meines Vaters hervor. Als wäre es Absicht, nimmt genau zu diesem Zeitpunkt der Wind zu. Wir tauschen also die Kissen gegen Windjacken und Schwimmwesten. Der Wind bläst ständig stärker, die Wellen werden höher und die Sonne verschwindet hinter Wolken. Wir verkleinern die Segelfläche und versuchen so lange es geht in der Abdeckung des Festlandes zu bleiben. Nun gut, hohe Wellen sind wir uns  bereits etwas gewöhnt und so segeln wir tapfer weiter in Richtung Griechenland. Alles scheint soweit ok, also beschliesst Bärni sich kurz auszuruhen und ich werde Wache halten. Es ist dunkel geworden. Ich sitze hinter dem Steuer, es ist kühl und zwischendurch erfrischt mich eine Welle mit feinstem Adria-Wasser. Und da sehe ich diese Wolke… Hm, sie sieht nun doch etwas gigantisch aus. In der Ferne  machen sich gelegentlich Blitze bemerkbar. Wie froh bin ich, als Bärni nun wieder auf dem Deck erscheint. Wir rollen die Genau (für Nichtsegler: das ist das Vorsegel) ein und nach einiger Zeit lassen wir sogar das Grosssegel herunter. Die Blitze kommen näher und sind nun auf allen Seiten sichtbar. Mist! Was nun? Wir steuern unter Motor die nächste Insel, die griechische Insel Otoni, an und hoffen dort in einem kleinen Hafen Schutz zu finden. Leider können wir nicht in den Hafen hineinfahren, da dort nicht geankert werden darf. Also ankern wir etwas neben dem Hafen, wo die Beleuchtung der Häuser mindestens auf Menschen hindeutet, welche wir bei einem Notfall zu Hilfe ziehen könnten.  Wir wollen die Nacht abwarten und bei frühem Tageslicht weiter fahren. Die fünf Stunden „Erholung“ sind jedoch überhaupt nicht erholsam. Es schaukelt unglaublich, so dass jede Bewegung extrem viel Zeit und Konzentration erfordert. Zudem stellen wir fest, dass unser Anker nicht hält. Der Grund ist aus Stein und unser Anker ist dafür nur schlecht geeignet. Wir legen uns hin und hören wie es den Anker verschiebt. Bewegt sich der Anker über eine gewisse Distanz, gibt uns ein App mit einem schrillenden Sirenenalarm Bescheid. Zudem nimmt man über die Dachluke die Blitze war, welche sich mittlerweile direkt über uns breit machten. Ich glaube ihr könnt euch vorstellen wie erholsam diese Stunden waren. Aber es wurde Morgen, es kam Licht, die Blitze waren verschwunden und wir machten uns so schnell wie möglich auf den Weg. Das Meer war immer noch stark in Bewegung. Nach ungefähr fünf Stunden erreichten wir die Marina Gouvia auf Korfu. Endlich am Ziel. Wir wurden mit einem  Lächeln und auch etwas Mitgefühl begrüsst. Die Turbulenzen der Nacht waren wohl nicht ganz spurlos an uns vorbeigegangen. Trotzdem – Happy End

Die nächsten Tage verweilen wir nun in Gouvia, wo wir einige Ecken und Kanten unserer Jolene beheben wollen.  Wir treffen hier auch Peter Portmann wieder. Er hat in Murter, Kroatien, die Schiffsexpertise erstellt und steht uns in Gouvia mit Rat und Tat zur Seite.

Bis bald, Marianne

Einige Segelimpressionen zum Schluss

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Segelteam Jolene

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11 Gedanken zu “Jamas! Von Trogir nach Korfu

  1. Julia & Urs 13. Oktober 2016 / 18:14

    Schön wieder von euch zu lesen. Dein Bericht liest sich spannender als ein Thriller! 😉 Weiterhin gute Reise mit viel Wind und weniger Blitzen.
    Liebe Gruss, Julia & Urs

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  2. Janine Bhend 13. Oktober 2016 / 21:48

    Wow! Schon so viel Abenteuer zu Beginn…
    Schön zu lesen, dass ihr ein so gutes Team seid!

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  3. Werren Elisabeth 14. Oktober 2016 / 9:09

    Hallo super was man lesen kann weiterhin alles gute es gruessli vo Elisabeth Max u Isabelle Werren

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  4. Sarah 15. Oktober 2016 / 14:12

    Hallo ihr zwöi abentüürer,
    mängisch wird mä scho am afang chli prüäft, damit mä när vorbereitet isch, uf aues wo no uf eim zuä wird cho… i würd säge, prüfig bestande!
    bi sehr froh, siter wohlbehalte ir Marina Gouvia acho. Uf dä bilder machet dir auso ganz ä gueti Figur. Hoffentlich chöit dir di nächste Täg o chli gnissä. I freue mi, uf witeri brichte!
    liebs grüässli (vom sehr „längwilige“ Thunersee :-)) Sarah

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  5. Elias und Dési 15. Oktober 2016 / 15:21

    Hallo ihr zwei Lieben!

    War schön euch auf Korfu kennenzulernen und wir hoffen, dass ihr inzwischen sicher in Italien seid!!

    Liebe Grüsse
    Elias und Dési

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  6. Chrigu 18. Oktober 2016 / 14:04

    Hallo ihr zwei

    Schön die ersten Zeilen von euch zu lesen.
    Da habt ihr ja bereits einiges erlebt.
    Wünsche euch weiterhin eine gute Reise.

    Und dir Marianne wünsche ich heute alles Gute zum Geburtstag.

    Liebe Grüsse
    Chrigu

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  7. Stöffu 20. Oktober 2016 / 21:14

    Ciao zusammen.
    Es tönt alles sehr spanend ich wünsche euch alles gute, ich bin gespannt wie es weiter geht.
    Gruss

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