BA(E)RFUSSROUTE #1

Hallo Zusammen!

Endlich ist das erste Video bereit. Ich hoffe, dass ich mit der Zeit das Schneiden noch etwas besser in den Griff bekommen werde. Aber für eine erste Arbeit scheint mir dies vorzeigbar 🙂

Das Musikstück „Shosholoza“ ist übrigens eines der Lieder, welches der Gosp und Pop Chor Thun an unserer Hochzeit für uns gesungen hat. Es ist ein südafrikanisches Lied. Shosholoza bedeutet mutig nach vorne zu schauen. Das passt doch gut zu uns!

A presto, Marianne

 

Von Gouvia nach Reggio di Calabria

Ein Traum – ein Schiff – eine Vollzeitstelle
Wer sich vorstellt, dass wir im Moment gemütlich über das Meer schippern, ab und zu etwas Sightseeing machen und  in einer italienischen Pizzeria den mediterranen Abend geniessen, der hat leider verfehlt. Aber vielleicht kommt das ja noch…. 

Während Bärni diesmal einem Frischwasserschlauch nachjagt, sitze ich am mit Werkzeug überladenen Esstisch und nutze die freie Zeit euch wieder ein paar Zeilen zu schreiben.
Wir mussten gestern um Mitternacht unsere Pläne spontan ändern und sind nun den dritten Tag hier in Reggio di Calabria. Die Alternative wäre gewesen, komplett ohne Frischwasser nach Fiumicino weiterzufahren, was dann doch etwas unpraktisch geworden wäre. Das Problem: Der Schlauch unserer Wasserpumpe führt zu nahe an dem Motor vorbei. Durch die Vibrationen hat der Schlauch Reibungen erhalten und wurde undicht. Er muss also ersetzt werden und neu (und besser!) eingebaut werden.

Überraschend sind solche, plötzlich auftretende Notfälle eigentlich nicht mehr. Nach drei Wochen gehören sie schon fast zur täglichen Routine und ich könnte euch eine lange Liste mit unternommenen Reparaturen sowie die noch zu erledigenden Arbeiten niederschreiben.
Sobald ein Schiff bewegt und genutzt wird kommen die Mängel zum Vorschein. Unsere „Jolene“ hat wohl, bis wir sie unter unsere Fittiche genommen haben, ein trauriges Hafendasein gelebt. Wir führen während dem Segeln aber konsequent eine To-Do-Liste und werden sie so wieder zu dem „Cruiser/Racer“ machen, zu welchem sie gebaut wurde.

So findet man in Italien die Ersatzteile
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Zur selben Zeit am selben Ort, lediglich 100 Meter entfernt, haben andere Leute andere Probleme. Vor wenigen Stunden ist hier ein Boot der Ärzte ohne Grenzen mit Flüchtlingen angekommen. Seit früh morgens werden diese nun registriert und vermutlich zu verschiedene Unterkünften geschickt. Dazu stehen mindestens zehn Busse bereit. Das Prozedere zieht sich über den ganzen Tag hin. Es sind vorwiegend junge Männer aus Afrika. Um aus dem Hafengelände zu gelangen gehen wir am Nachmittag neben dem Geschehen vorbei. Es ist ein komisches Gefühl. Die Flüchtlinge sitzen in Einheitskleidern im Schatten, es wird kaum gesprochen, der gesamte Hafen ist voller Polizei und es wird kontrolliert, wer den Hafen betritt oder verlässt. Am anderen Ende des Hafengeländes befindet sich eine Asylunterkunft. Die dort wohnhaften Asylsuchenden nähern sich den angekommenen Flüchtlingen. Erwarten sie vielleicht dort jemanden zu kennen? In meiner Fantasie male ich mir herzzerreissende Szenen aus, jedoch scheint alles so ruhig und von allen Beteiligten inklusive den Flüchtigen fast etwas „emotionslos“ über die Bühne zu gehen. Traurig aber wahr, scheint dies hier wohl einfach zum Alltag zu gehören.

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Vorwarnung: Entschuldigt den abrupten Themawechsel…..

Wie ging es bei uns weiter nach Gouvia? 
Nach unserer Blitzgewitter-Nacht wollten wir die nächsten Schläge etwas ruhiger angehen. Daher entschieden wir uns, nach unserem Aufenthalt auf Korfu, eine Nacht auf Erikoussa zu verbringen, um die Strecke zurück nach Italien etwas zu unterteilen. Erikoussa war uns nicht wirklich gut gesinnt. Nachdem wir bereits beim Ankern Probleme mit der Ankerwinchfernbedienung hatten, so stieg uns dort am frühen Morgen auch noch die Toilette aus. Dies passiert natürlich immer im unangenehmsten Moment, aber keine weiteren Details…. Auf uns wartete ein Tag mit viel Wind, hohen Wellen und keiner Toilette für die dritte und damit letzte Adriaüberquerung. Wir starteten ca. um 8 Uhr morgens und kamen völlig erschöpft um 17:00 Uhr in Santa Maria di Leuca an.

Ankunft in Leuca. Die Energie reichte noch gerade für eine Take Away Pizza!
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Von Leuca ging es weiter nach Crotone, wo wir meinen Geburtstag feierten. Es freute mich riesig genau zu diesem Zeitpunkt in dem Ort zu sein, wo Pythagoras mit seinen Pythagoreern über 30 Jahre gelebt, gelehrt, musiziert und philosophiert hat. Nach einer kleinen Recherche fand ich auch heraus, dass es ein Museum zu Ehren Pythagoras gibt. Dies war der erste „Freizeitausflug“ von Bärni und mir seit wir unsere Reise gestartet haben. Der Park des Museums beherbergt neben einer riesigen Eisenplastik des Pythagorasbaumes, Skulpturen des Pascalschen Dreiecks,  der Platonischen Körper und vieles mehr… Der Zustand der Anlage ist aber fragwürdig. Wir waren wohl seit einer Ewigkeit die ersten Besucher, welche sich für diesen Park interessierten. Überall lag Müll herum, die Plastiken wurden mit unschönen Sprayereien verunstaltet und die Fibonacci-Folge wurde durch das Fehlen von Steinen verfälscht. Die grösste Tragödie in diesem Park, ist jedoch das Museumsgebäude. In einem Design-Wettbewerb 2011 ausgeschrieben wurde es für ungefähr drei Millionen Euro erbaut. Ob es je einmal eröffnet wurde, daran wage ich zu zweifeln. Wenn man von draussen durch die Scheiben sieht, dann liegen immer noch Werkzeuge herum. Kurz gesagt, das Museum und seine Anlage interessieren hier niemanden! Da wäre das Geld wohl in einem sozialen Projekt besser angelegt gewesen.

Die Steine waren mir leider zu schwer, um die Fibonacci-Folge wieder in die gewohnte Harmonie zu legen.
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Nach zwei Nächten haben wir Crotone wieder verlassen und haben in Roccella Ionica angelegt. Aufgrund der zeitlich begrenzt günstigen Windprognosen mussten wir jedoch am nächsten morgen früh gleich wieder aufbrechen und hatten keine Gelegenheit einen Eindruck dieses Ortes zu erhalten. Da es nach Roccella, für weite Strecken keine Marina oder Ankerbucht gibt, sind wir gleich bis Reggio di Calabria durchgefahren. Morgen soll es weiter gehen nach Tropea und wenn es weiterhin so läuft, dann werden wir bald schon unser nächstes Etappenziel, Fiumicino, erreichen.

Auf geht’s „Jolene“!

Liebe Grüsse aus Italien
Marianne

 

Und noch ein paar weitere Eindrücke
Erikoussa hatte auch sehr schöne Seiten!
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Bärni vermisst seinen Spinnaker- Baum. Hoffentlich werden wir in Fiumicino fündig, ansonsten wird es hart, diese Position über den Atlantik durchzuhalten.
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Ich habe etwas euphorisch Früchte und Gemüse gekauft. Ich hoffe sie halten eine Weile durch!
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Unser Schiffsalltag
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Selfie-Time
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Jamas! Von Trogir nach Korfu

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Nun sind wir bereits eine Woche unterwegs. Und einmal glaubten wir doch tatsächlich auf der Barfussroute angekommen zu sein. Doch weit verfehlt, das Mittelmeer zeigte sich uns von seiner unschönen Seite.

Aber alles der Reihe nach. Nachdem wir Trogir verlassen haben, segelten wir nach Brna, ein kleines Städtchen im Süden der Insel Korcula wo wir die Nacht verbrachten. Wir konnten dort am Pier festmachen. Mooring und sanitäre Anlagen gab es keine, trotzdem wollte der etwas gestresste „Marine Officer“ stolze 328 Kuna, was doch beinahe CHF 50.00 sind. Kroatien ist für Segler einfach ein wirklich teures Pflaster. Wenn wir mit unserem Budget um die Welt kommen wollen, müssen wir Kroatien wohl bald verlassen…

Jolene am Pier von Brna:
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Tanken in Dubrovnik… eine weitere lange Geschichte… diese aber vielleicht einmal mündlich:
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Gesagt getan, nach einem kurzen Aufenthalt in Dubrovnik, leider ohne Stadtbesichtigung – Schande! -,  war der Wind so gut, dass es uns direkt nach Bella Italia geblasen hat. Eine Nachtfahrt unter wunderschönstem Sternenhimmel und im Schnitt sieben Knoten Fahrt. Sieben Knoten  Durchschnittsgeschwindigkeit ist übrigens für eine Yacht wie die unsere eine super Leistung. Umgerechnet sind es ca. 13 km/h. Für alle Nicht-Segler: Bevor ihr jetzt lacht, solltet ihr diese Geschwindigkeit auf dem Wasser einmal erlebt haben. Es ist wirklich ganz schön schnell! Echt! Etwas erschöpft aber stolz und zufrieden sind wir in Brindisi angekommen. Auch dort haben wir am Pier festgemacht. Im Oktober interessiert es dort allerdings Niemanden mehr und wir durften umsonst parkieren. Unsere Jolene, eine Comar Genesi 43, gebaut in Italien (Fiumicino) ist nun also wieder in der Heimat. Da ist es auch nicht erstaunlich, dass wir unglaublich viele Komplimente für unser Schiff erhalten haben und uns jeder gleich auf Italienisch ansprach. Leider können wir beide nur  äusserst oberflächliche Sätze. Aber wir gaben unser Bestes. Als ich Bärni dann auch noch in den Mast hoch zog und er dort in 10m Höhe den Lazy Jack reparierte, erhielten wir sogar Applaus! Was für ein Land!!! Zu schade, dass wir es bereits wieder verlassen mussten, aber wir wissen ja zum Glück, dass wir nochmals nach Italien zurückkehren werden.

Unsere Zirkusvorstellung:
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So nun kommt der Moment, wo wir dachten auf der Barfussroute angekommen zu sein. Ein wunderschöner Wind, lediglich kleine Wellen, Sonnenschein, Wärme… Genau so habe ich mir das vorgestellt. Weils so schön ist, beginne ich das Boot auf „Bequem Kurs“ einzurichten. Ich decke das Cockpit mit den passenden Kissen ab und hole den Aquarellkasten meines Vaters hervor. Als wäre es Absicht, nimmt genau zu diesem Zeitpunkt der Wind zu. Wir tauschen also die Kissen gegen Windjacken und Schwimmwesten. Der Wind bläst ständig stärker, die Wellen werden höher und die Sonne verschwindet hinter Wolken. Wir verkleinern die Segelfläche und versuchen so lange es geht in der Abdeckung des Festlandes zu bleiben. Nun gut, hohe Wellen sind wir uns  bereits etwas gewöhnt und so segeln wir tapfer weiter in Richtung Griechenland. Alles scheint soweit ok, also beschliesst Bärni sich kurz auszuruhen und ich werde Wache halten. Es ist dunkel geworden. Ich sitze hinter dem Steuer, es ist kühl und zwischendurch erfrischt mich eine Welle mit feinstem Adria-Wasser. Und da sehe ich diese Wolke… Hm, sie sieht nun doch etwas gigantisch aus. In der Ferne  machen sich gelegentlich Blitze bemerkbar. Wie froh bin ich, als Bärni nun wieder auf dem Deck erscheint. Wir rollen die Genau (für Nichtsegler: das ist das Vorsegel) ein und nach einiger Zeit lassen wir sogar das Grosssegel herunter. Die Blitze kommen näher und sind nun auf allen Seiten sichtbar. Mist! Was nun? Wir steuern unter Motor die nächste Insel, die griechische Insel Otoni, an und hoffen dort in einem kleinen Hafen Schutz zu finden. Leider können wir nicht in den Hafen hineinfahren, da dort nicht geankert werden darf. Also ankern wir etwas neben dem Hafen, wo die Beleuchtung der Häuser mindestens auf Menschen hindeutet, welche wir bei einem Notfall zu Hilfe ziehen könnten.  Wir wollen die Nacht abwarten und bei frühem Tageslicht weiter fahren. Die fünf Stunden „Erholung“ sind jedoch überhaupt nicht erholsam. Es schaukelt unglaublich, so dass jede Bewegung extrem viel Zeit und Konzentration erfordert. Zudem stellen wir fest, dass unser Anker nicht hält. Der Grund ist aus Stein und unser Anker ist dafür nur schlecht geeignet. Wir legen uns hin und hören wie es den Anker verschiebt. Bewegt sich der Anker über eine gewisse Distanz, gibt uns ein App mit einem schrillenden Sirenenalarm Bescheid. Zudem nimmt man über die Dachluke die Blitze war, welche sich mittlerweile direkt über uns breit machten. Ich glaube ihr könnt euch vorstellen wie erholsam diese Stunden waren. Aber es wurde Morgen, es kam Licht, die Blitze waren verschwunden und wir machten uns so schnell wie möglich auf den Weg. Das Meer war immer noch stark in Bewegung. Nach ungefähr fünf Stunden erreichten wir die Marina Gouvia auf Korfu. Endlich am Ziel. Wir wurden mit einem  Lächeln und auch etwas Mitgefühl begrüsst. Die Turbulenzen der Nacht waren wohl nicht ganz spurlos an uns vorbeigegangen. Trotzdem – Happy End

Die nächsten Tage verweilen wir nun in Gouvia, wo wir einige Ecken und Kanten unserer Jolene beheben wollen.  Wir treffen hier auch Peter Portmann wieder. Er hat in Murter, Kroatien, die Schiffsexpertise erstellt und steht uns in Gouvia mit Rat und Tat zur Seite.

Bis bald, Marianne

Einige Segelimpressionen zum Schluss

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Segelteam Jolene

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Wir sind angekommen

Unsere Abreise liegt bereits zwei Tage zurück. Wie erhofft dauerte die Busfahrt gefühlt weniger als 17 Stunden. Zuerst war da der letzte Abschied von unseren Familien und Freunden, welchen wir etwas verdauen mussten. Anschliessend waren die Gedanken bereits beim Schiff.  Ist unsere Jolene noch im selben Zustand, wie wir sie verlassen haben? Hat sie das „Rumstehen“ gut verkraftet?

Am Montag, ca. 12:00 Uhr, erreichten wir, beladen mit fünf grossen Taschen, zwei Rucksäcken und zwei weitere Taschen für alles was irgendwie nirgends mehr verstaut werden konnte aber trotzdem unbedingt mit musste, die Marina Trogir. Jolene erwartete uns bereits freudig. Wie gewohnt konnte sie ihre Emotionen aber gut überspielen und wirkte, wie alle aus gewasserten Yachten, etwas statisch. Gefühle zeigen ist halt nicht jedermanns oder jederfraus Sache. Aber wir wusste was sie dachte.

Noch keine Tasche auf dem Schiff machte sich Bärni umgehend an die Schiffsanalyse. Der Rumpf war einfach  zu spannend, als dass man dies auf später verschieben könnte. Dank dem sich lösenden Antifouling waren seine Hände innert kürzester Zeit blau, was wiederum mich etwas amüsierte. Der plötzlich einsetzende Regen unterbrach glücklicherweise sein Analysemodus und wir begannen in Windeseile die Taschen über die steile Leiter ins Schiff zu hieven.

Nun ist bereits Dienstag Abend. Die Jolene liegt im Wasser und ist gefüllt mit Proviant für eine Woche unterwegs zu sein. Morgen geht es los. Das nächste grössere Ziel ist Dubrovnik. Ob wir uns nach Albanien getrauen ist immer noch nicht ganz klar. Wir hören viel und meist widersprüchliches. Da es im Moment noch nicht nötig ist uns zu entscheiden verschieben wir dies auf später.

Highlight von heute: Wir haben zum ersten Mal zu zweit ein Anlegemanöver vollbracht. Sogar ohne Hilfe von einem Marinero. Alles ging ganz ruhig vor sich.

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